„Drink All The Wine“ ist die dritte Veröffentlichung der New Yorker Singer-Songwriterin ROSA TU. Das zehnteilige Werk transportiert Melancholie pur – oder, wie es der Produzent des Albums, Cameron James Laing (The Famous Gold Watch Studios, Berlin) treffend umschrieben hat, „die reinste Form von mit Hoffnung erfüllter Traurigkeit“.
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Die zehn Songs sind allesamt Originale, mit Ausnahme der Vertonung von Dylan Thomas‘ Gedicht „Do not go gentle into that good night“. Diese gehört allerdings nicht zu den Höhepunkten des Albums – der musikalischen Umsetzung von Zeilen wie „Old age should burn and rave at close of day, rage, rage against the dying of the light“ fehlen Intensität und Dringlichkeit.
ROSA TUS eigene Songs hingegen sind zumeist perfekt ausbalanciert. „The Swamp“ zum Beispiel erzählt die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft, die auf traurigen Gegebenheiten gründet – zu hören sind fünf Minuten völliger Harmonie zwischen Gitarre und Stimme, packend trotz der Absenz jeglicher Ausschmückungen. Das Gleiche gilt für „Loneliness“, einer Ode an Liebe und Einsamkeit.
Herausragend ist der längste Song des Albums. „It's A Dream“ besticht mit betörenden Melodiebögen und – teilweise herrlich verqueren – Geigentönen der in Berlin ansässigen und höchst vielseitigen amerikanischen Violinistin SARAH MARTIN. Fabelhaft auch „What‘s In Paris“, mit den Überlegungen der verliebten (und verlassenen) ROSA TU, was denn in Paris so anders sei als in New York. Der ironische Text, die jazzige Gitarre und ALEX SITNIKOVS Klarinette verleihen dem Song eine wohltuende Leichtigkeit.
ROSA TU macht Musik der ebenso einfachen wie verbindlichen Art. Einfach deshalb, weil sie mit sparsamen musikalischen Mitteln und ihrer wunderbar beweglichen Stimme das Maximum erreicht, verbindlich darum, weil ihre Poesie Bilder hervorbringt, die geradezu zum Weiterdenken verführen.
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FAZIT: ROSA TUS Album „Drink All The Wine“ ist – wenn denn dieses Bild für einmal erlaubt ist – mit der Schachtel Pralinen eines Meister-Confiseurs vergleichbar: Sein Inhalt will Stück für Stück genossen sein; eine oder zwei der Köstlichkeiten auf einmal sorgen für Glücksgefühle.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.09.2020
Rosa Tu
Rosa Tu
Sarah Martin (Violine in „It’s A Dream“), Alex Sitnikov (Klarinette in „What’s In Paris“), Adam Bahrami (Gitarre in „Drink All The Wine“)
The Famous Gold Watch Records
44:18
18.09.2020