Den Namen The Fuzztones kennen viele, die nur halbwegs an jüngerer Musikgeschichte interessiert sind, doch tatsächliche Songs der Krach-Ikonen aus den Vereinigten Staaten würden wahrscheinlich deutlich weniger erkennen. Nichtsdestoweniger gibt das Schaffen der Combo genug Stoff für nicht ein, sondern zwei autobiografische Bücher ihres Kopfes her.
Die beiden Bände entsprechen aber dem Idealfall von Musik-bezogener Literatur, denn man unterhält sich damit auch ohne Kenntnisse über das Sujet selbst bestens beim Lesen. Das liegt nicht nur an der berühmt-berüchtigten Person von Rudi Protrudi, sondern auch am turbulenten Karriereverlauf von The Fuzztones.
Zunächst rekapituliert Glen Dalpis, wie er bürgerlich heißt, naheliegenderweise seine Kindheit in spießigen Arbeiterklasse-Verhältnissen, aus denen er bereits früh via Musik auszubrechen suchte, und zwar als vom Start weg ernsthafter Gitarrist, der mit einem traditionellen Rock'n'Roll-Background seine ureigene Vorstellung von Sound umzusetzen suchte, was zunächst in letzten Endes nicht lange bestehenden Vorgänger Bands zu The Fuzztones passierte.
"Raisin' A Ruckus" ist wie im Übrigen auch sein Nachfolger wortgewaltig und verschwenderisch mit Bildern illustriert. Protrudi zeichnet die chronisch erfolglosen frühen Jahre seiner an der Schwelle der 1970er zum anschließenden Jahrzehnt gegründeten Band, die sich in kommerzieller Hinsicht andauernd selbst ins Knie geschossen hat, erwartbar locker nach. Ungleich prominentere "contemporaries" wie die kanadische Liedermacher-Ikone Leonard Cohen kreuzten seinen Weg und sorgten für noch kurzweiligere Episoden in diesem Wirklichkeit gewordenen Horror-B-Movie den eine nicht nur für Fans, sondern auch Rockhistoriker hörenswerte CD (Mitschnitt eines Gigs vom 25. Mai 1985 im Club Electric Banana in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania, wo Rudi lange zu Hause war) als "must have" krönt.
FAZIT: Garage-Rock-Grundwissen, spannend geschrieben und auf stimmige Art musikalisch unterlegt - Rudi Protrudis halbe Lebensbeichte beleuchtet The Fuzztones als Kultband ebenso wie den nicht reproduzierbaren Zeitgeist einer für Musik mit verstärkten Gitarren und polternden Drums bahnbrechenden Zeit … to be continued! <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/a3b2b87b506045418a235e9d34425b66" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.09.2020
Fanpro
190 Seiten
12.08.2016