RUFUS COATES & JESS SMITH stammen aus Irland. Das Paar, das zurzeit in Berlin lebt und arbeitet, pflegt einen akustisch-spartanischen Folk der schwermütigen, düsteren und durchwegs entschleunigten Art; im Kreis der musikalischen Verwandtschaft des Duos tauchen schemenhaft Leute wie Jerome Reuter, Jason Molina oder Brendan Perry auf.
COATES und SMITH servieren auf „Not For The Gallery“ zehn Originale, in denen sie von Wünschen, neuzeitlichen Tempeln, den Versuchungen der Gegenwart und ewiger Hoffnung singen. Die Songs sind in der Mehrzahl spärlich instrumentiert, und die Abmischung fokussiert zusätzlich stark auf die beiden Singstimmen. Diese Gewichtung polarisiert, denn…
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… RUFUS COATES‘ sonorer Bariton ist ausgesprochen dominant und kollidiert nicht nur in den beiden Auftaktsongs mit der feinen, zerbrechlichen Stimme seiner Partnerin – die dann allerdings ihrerseits in „Modern Day Cathedral“ zu unerwarteter Stärke findet und sich darauf im zweiminütigen „Chewin‘ On This Rope“ ungehemmt und a-cappella gänzlich zu emanzipieren vermag.
Die starke Akzentuierung und das charakteristische Modulieren der Singstimmen – vornehmlich derjenigen von COATES – machen „Not For The Gallery“ zu einem sinnlichen Erlebnis jenseits ausgetretener Folk-Pfade. Es ist ein Album, das weitgehende Kompatibilität von Sender und Empfänger verlangt; oder zumindest Musik, auf die man sich bewusst einlassen muss.
FAZIT: Liebhaber des Genres mögen „Not For The Gallery“ begeistert aufnehmen – weniger damit Vertrauten wird der Zugang zu diesem Werk ohne die passende optisch-akustische Live-Atmosphäre, etwas Kerzenlicht und vielleicht zwei-drei Schlückchen uraltem irischen Whiskey wohl weniger leicht fallen.
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Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.05.2020
Rufus Coates, Jess Smith
Rufus Coates, Cormac O’Keefe
Wallis Bird
Jess Smith (Perkussion), Cameron James Laing (Piano, Sound Design, Perkussion), Wallis Bird (Gesang), Christoph Capewell (Violinen)
The Famous Gold Watch Records
33:58
08.05.2020