Na, von wem stammt 'God Gave Rock and Roll to You'? Natürlich nicht Kiss, sondern Russ Ballard, vielleicht dem wichtigsten Songwriter aus der ersten Generation des Hardrock. Der Mitbegründer und Kopf der Kultband Argent überrascht nun 2020 mit einem Soloalbum, auf dem er drei überarbeitete alte Songs mit unbekannten kompiliert, die sich wirklich fast so anhören, als ob sie aus der Pionierzeit des Genres stammen würden.
Zunächst einmal das Obligatorische im Zusammenhang mit "It’s Good To Be Here" abhaken: ‘Since You’ve Been Gone’, ‘You Can Do Magic’ und ‘New York Groove’ kennt wohl jeder, der sich nur flüchtig mit der kommerziellen Hochphase von Stromgitarren-Sounds und Stadion-Refrains beschäftigt hat. Diesem Lieder-Trio hat der Altmeister wenn auch keine radikale Frischzellenkur, so doch auf jeden Fall ein stimmiges Update beschert, das aber im Grunde nur dazu dient, sie dem "Hauptteil" des Albums anzugleichen.
Womit wir bei einer für diese Tage schier beispiellosen Sammlung aus Power-Balladen und Rockhymnen wären … Bereits 'My Awakening' vereint praktisch sämtlich Vorzüge beider Disziplinen miteinander, nicht zu vergessen einer modernen wie zeitlosen Produktion, die auf weitere Tracks mit zackig aufspielender Rhythmusgruppe im Brennpunkt vorbereitet. Freilich kommen die Melodien dabei nicht zu kurz. Das wehmütige 'Time Machine' steht Ballards würdevoll gealterter Stimme hervorragend, zumal er sich chorisch begleiten lässt, und 'Kickin' The Can' macht mit seinem hypnotischen Groove (von der Orgel ganz zu schweigen) so "addicted", wie es auch im Text heißt.
Die Nummer trägt genauso wie das unverblümt poppige 'Annabel's Place' (hat was von den Buggles und Dexy's Midnight Runners, im Ernst) und das mit Loops wie Samples unterlegte 'The First Man That Ever Danced' auf ihr Arrangement bezogen die Handschrift von Ballards Sohn Christian, der das Material letzten Endes auch so knallig abmischte, wie es nun klingt. Nach der teils akustischen Ballde 'Wasted' bleibtes in Form von 'Colliding' bedächtig, ehe mit 'Tidal Wave' ein Phil-Spector-verdächtiges Psych-Wunder folgt. An die Sixties gemahnt dann auch das mit Mellotron angereicherte 'The Misunderstood', ehe Russ in 'Proud Man' einen herrlichen Blues-Abschluss findet.
FAZIT: Eighties-Pop-Rock vom Allerfeinsten - Russ Ballard sollte regelmäßig Soloplatten machen oder (falls hier geschehen, wie man annehmen könnte) seine Archive nach vermeintlicher B-Ware durchforsten. Heraus kommen dann sicherlich weitere Hit-Kollektionen wie "It's Good To Be Here". <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/1b5b3b90e2534d1eb45f49fee42342e1" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.02.2020
BMG
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21.02.2020