Als enger Freund des kürzlich verstorbenen Fleetwood-Mac-Gitarristen Peter Green und auch in den Vereinigten Staaten weitgereister Weltenbummler widmet sich Snowy White dieser Tage verstärkt amerikanischen Sounds, und damit sind beileibe nicht nur die US-Südstaaten gemeint. Einmal mehr bluest der "English Gentleman" allerdings im Mainstream vor sich hin, wo er dank seines speziellen Tons und Feelings, die sich schwer in Worte fassen lassen (hören!) sofort als er selbst wiedererkennbar bleibt.
Im Titelstück, wo der Altgediente über "große Veränderungen" philosophiert, geht es urban zu, ja fast Reggae-artige bezüglich seines Groove und lässigen Charmes. Es ist neben 'Ain't Gonna Lean On You' und 'Commercial Suicide' (malerischer Artrock!) eines der Epen des Albums, die weit über die reine Blues-Lehre hinausgehen.
Am traditionellsten ist White während des slowen 'It's Only The Blues' unterwegs, hinzu kommen auf der inhaltlichen Seite einige Lamentos über schlechtes Karma und verlorene Liebschaften, doch das wäre es auch schon, was Klischees angeht, falls man das in diesem Kontext so nennen möchte. White zieht farbenfrohes Akkordspiel häufig gegenüber jenen Genre-typisch schluchzenden Leads vor, von denen die Eric Claptons und Gary Moores seit je zehr(t)en, und rückt seine weisen Texte bzw. seine lakonisch helle Stimme in den Vordergrund.
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Das mit Orgel wie in schummrigem Licht und Rauch eines kleinen Kellerclubs performte 'Another Blue Night' und das ähnliche, bloß lebendigere 'I Wish I Could' tendieren gen Rhythm 'n' Blues, wohingegen sich der Brite und seine zwei Mitstreiter (Weggefährten der White Flames geben sich hier und dort ebenfalls die Ehre - siehe 'Whiteflames Chill') jene erzählerischen Solo-Parts, die auch ohne Vocals sprechen zu scheinen, für die längeren Nummern aufsparen.
Das raue, dezent funkige 'Get Responsible' und das sehr eingängige 'Cool Down' (knüpft an die Spätachtziger-Phase mit Blues Agency an, deren Alben "Change My Life" und "Open For Business" zu den Pflichtveröffentlichungen aus jenem Jahrzehnt gehören) repräsentieren die klassische Songwriter-Schule, in die White bekanntlich lange gegangen ist, ob als Kollaborateur von Pink Floyd oder Thin Lizzy, gleichwohl er härteren Rock schuldig bleibt.
Man vermisst die ruppigen Riffs und großmäuligen Floskeln aber überhaupt nicht.
FAZIT: "Something On Me" geht von vorn bis hinten ungeheuer tief und ist keine Ansammlung zigmal erlebter musikalischer Gesten. Damit nimmt es seinem bereits großartigen Vorgänger "The Situation", der kaum zwölf Monate zurückliegt, nichts und zementiert Snowy Whites Status als Ausnahmemusiker zwischen mehreren Stühlen. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/0ff8bfdc76a14321940dbacc4bb41bcf" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.09.2020
Snowy White
Snowy White
Snowy White / Soulfood
61:15
09.10.2020