Hut ab vor einer solchen Unverbesserlichkeit: SOJOURNER wirken auch auf ihrem dritten Album wie aus der Zeit gefallen. "Premonitions" bietet nämlich nichts weniger als verhallten, stets hübsch melodischen Death bis Black Metal, der im Geist der mittleren 1990er nach dem "beauty and the beast"-Prinzip gestrickt wurde.
Das Sextett spekuliert auf die Wirkung von Gegensätzen, die mittlerweile nicht mehr als solche wahrgenommen werden, weil man Metal dieser Couleur im Lauf der Jahre zigmal gehört hat, doch SOJOURNER machen ihre Sache relativ gut - auch und gerade wegen der fest integrierten Tin Whistle, die neben unverzerrten bzw. auf Akustikgitarre gespielten Passagen auf sehr natürliche Weise Folk-Atmosphäre verbreiten.
<iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/nLae9MXXG0E" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe>
Ansonsten vermittelt "Premonitions" etwas Weltfernes, wofür man speziell Sängerin Chloe Bray verantwortlich machen darf, die das Schaffen der Chanteusen des Heavenly-Voices-Genres (Dead Can Dance bzw. die junge Lisa Gerrard) tief verinnerlicht haben dürfte . Sie erlebt im einfühlsamen 'Talas' ihren großen Moment, wohingegen "Krümelmonster" Emilio Crespo die Dampfwalze 'Fatal Frame' mit seinen Growls dominiert.
So halten sich pompöse Epik und intime Wehmut auf dem dritten Album der Gruppe die Waage. Es ist bis zu seinem gelöst anmutenden Finale 'The Event Horizon' ein stetes Auf und Ab - wie ein Ton gewordenes Gebirge, und die einzelnen Songs, die größtenteils etwas länger als gewöhnlich dauern, gleichen eher Klanglandschaften als herkömmlich nach dem Strophe-Refrain-Schema strukturierten Liedern.
Abgesehen von 'Monolith' -was man gemeinhin unter Atmospheric Black Metal versteht, wird hier wie aus dem Lehrbuch vorgemacht - eignet sich "Premonitions" ausgezeichnet für Freunde von Insomnium oder auch Wolfheart. Innovationsfreie Zone garantiert, also keine bösen Überraschungen …
FAZIT: SOJOURNER machen auf ihrem neuen Werk wenig verkehrt, weil sie anscheinend gar nicht anders können, als quasi-orchestralen Schwarztod mit Stilblüten aus gut 25 Jahre altem Gothic Metal zu verschönern. Sonderlich eingängig ist "Premonitions" nicht, sondern vielmehr ein stimmungsvolles Gesamtwerk, an dem man sich schadlos halten kann, während es nebenbei läuft. Ob das genügt, muss jeder für sich entscheiden. <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/a3a3c5543f4844928dacac35bd799746" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.05.2020
Napalm / Universal
56:37
08.05.2020