Thrash Metal aus Großbritannien gilt ungeachtet der Erfolge, die Xentrix, Onslaught (früher) oder Evile (später) zu gegebenen Zeiten erzielt haben, weiterhin bis zu einem gewissen Grad als Stigma, weil der Szene im Vereinigten Königreich stets praktisch jedwede Eigenständigkeit abgesprochen wurde - nicht immer ganz zu Unrecht, denn die heute bekanntesten Vertreter sprangen zu spät auf den amerikanischen Zug auf und emulierten bloß die Schwergewichte aus Übersee, während insbesondere die Pionierleistung von Sabbat um Andy Sneap (heute Judas Priest) und Martin Walkyier (später Skyclad) nach wie vor zu wenig Anerkennung erfährt.
Sei's drum … Bezüglich SOLITARY drängen sich diese Gedanken insofern auf, als sie aus England stammen und schon Anfang der 1990er zusammenfanden, ohne je Großartiges zu leisten. Wie sieht es nun 2020 aus, da sie ihr fünftes Album veröffentlichen?
"The Truth Behind The Lies" erscheint drei Jahre nach The Diseased Heart Of Society" und deutet bereits im Vergleich der beiden Titel an, dass die Band weiterhin auf sozialkritische Themen setzt, und in stilistischer Hinsicht hat sich ebenso wenig geändert: SOLITARY orientieren sich grob gesagt an der mittleren Entwicklungsphase des klassischen Bay-Area-Sounds, vor allem Exodus nach ihrem Debüt und Metallica ab "Master Of Puppets", versehen mit zumindest einem Schüsschen teutonischer Geradlinigkeit.
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Schließlich geht Frontmann Richard Sherringtons nöliges Geknurr stellenweise in ähnlicher Weise auf den Zeiger wie Destruction-Schmiers Stimme, wohingegen der grundsätzlich punkige Vorwärtsdrang der Gruppe an sich gefällt; würde der Sänger höhere Register anschlagen, könnte man beispielsweise während 'Abominate' oder dem genauso derb peitschenden Titelstück meinen, hier würden Rage (ungfähr zur Zeit ihres zweiten Albums "Execution Guaranteed") aufspielen.
Simon Efemey (Napalm Death, Paradise Lost, Obituary, Amorphis) hat das ganze souverän fett produziert, aber ihr merkt schon beim Lesen der obigen Zeilen: Mit der Originalität ist es nicht weit her, und der frappanteste Mange, den die Platte aufweist, ist das farblose Songwriting des Quartetts.
Ach ja, wer knüpft beim Betrachten des Covers ebenfalls eine spontane Assoziationskette über das Artwork von The Awful Truths einzigem Album (1989) zu "Soul Destruction", dem Karrierehighlight der SOLITARY-Nachbarn The Almighty von 1991?
FAZIT: "The Truth Behind The Lies" ist ein austauschbares, angestaubt wirkendes Stück Thrash, das niemandem wehtut und in der Vergangenheit schon zigmal von diesem oder jenem Act in ähnlicher, vor allem aber besserer Form veröffentlicht wurde. <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b0c4138b5dcb4ffdaac6011c42c75654" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.10.2020
Gareth Harrop
Richard Sherrington
Richard Sherrington, Andy Mellor
Roy Miller
Metalville / Rough Trade
36:49
25.09.2020