Schön, dass es in diesen aufreibenden Zeiten verlässliche Konstanten gibt. Eine davon ist die jährliche Visite in den Schatzkammern des SPACE DEBRIS-Archivs. Bislang kam immer Hörenswertes zutage und „Menhir – Archive Volume 7“ ist da keine Ausnahme. Im Gegenteil, das Album ist eine der ergiebigsten Bergungen.
„Menhir“ splittet sich in zwei lange Live- und vier Studiotracks. Die Liveaufnahmen gibt es auch auf Vinyl, wer das Komplettprogramm besitzen möchte, muss zur CD greifen oder den digitalen Download (zusätzlich) bemühen. Live spielt der bewährte Janni Schmidt Bass, im Studio ist die ebenfalls nicht unbekannte Vroni Frisch zu hören. Größte Änderung ist aber Thomas Hinkel an den Keyboards, der den verhinderten Winnie Rimbach-Sator vertritt. Und zusätzlich den bewährten SPACE DEBRIS-Sound, zwischen meditativem Jam-, Kraut- meets Hardrock und kleinen progressiven Schlenkern, um Flötenklänge erweitert. Das gibt der Musik bereits im ersten Stück einen hörbaren Kick in neue Gefilde und führt zum Abschluss in die psychedelische Nische, die PINK FLOYD in den späten Sechzigern eingerichtet haben. Und in der es das ein oder andere BRAINTICKET zu lösen gibt.
Die DEEP PURPLE-Einflüsse sind ein wenig in den Hintergrund getreten, aber ansonsten bietet „MENHIR““ wieder die bewährte hohe Qualität. Das Album beginnt meditativ, fast mantraartig steigert sich der neunzehnminütige Opener zum malmenden Rocker, der den einzelnen Mitspielern viel Raum gibt und genügend Erholungspausen einbaut. Christian Jäger überzeugt wieder als schlagfestes Rückgrat der Gruppe. Der „Imaginary Planet“ rotiert lautstark, besitzt dabei genügend Raum und Luft für Zwischentöne. „Meloncola“ macht seinem Namen alle Ehre und ist ein verträumt schwebendes Stück, das rhythmisch trotzdem ordentlich Druck aufbaut. Hektik bleibt außen vor. Klanglich ist das gesamte Album erstaunlich differenziert. Kurzum: „Menhir“ ist von Anfang bis Ende eine reife Leistung. Auf SPACE DEBRIS ist Verlass.
FAZIT: „Menhir – Archive Vol. 7“ ist wieder ein mitreißendes Stück Rockmusik. Egal, ob ausufernd auf der Bühne oder kompakter im Studio, SPACE DEBRIS können erneut zwischen Chill Out und Ekstase überzeugen. Die Variationen im Klangspektrum (Flöte) sind ein feiner Bonus.
Das - für SPACE DEBRIS - recht ungewöhnliche Covermotiv stammt von dem Künstler Manuel Lambertz (aka VonBertz) und wurde vorhher schon von der Band für eins Konzertplakat verwandt. Erinnerung an derzeit selige Momente. Auch das passt sehr gut.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.11.2020
Veronika Frisch, Janni Schmidt
Tommy Gorny
Thomas Hinkel
Christian Jäger
Thomas Hinkel (flute)
green-brain/duo phonic
CD: 79:26/LP: 36:47
04.09.2020