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Spell: Opulent Decay

Stil: Heavy Metal

Cover: Spell: Opulent Decay

Bad Omen bürgen mal wieder für musikalische Exzellenz: Während weiterhin jedes zweite Label alle möglichen Retro-Kapellen aufschnappt, legt sich die junge britische Vintage-Schmiede aus dem Milieu von Rise Above Records ausschließlich goldene Eier ins Nest, und SPELL sind das jüngste Beispiel dafür.

Das dritte Album der Gruppe um Bassist, Sänger und Vordenker Cam Mesmer lässt sich wunderbar zwischen den jüngsten Veröffentlichungen von Night und Dead Kosmonaut aus Schweden einordnen, denn auch der Nordamerikaner und seine Mannschaft spielen einfallsreichen Hard Rock mit Anleihen bei sowohl alten Prog-Acts (höre das abschließende Fast-Instrumental 'Saturn's Riddle') als auch dem, was landläufig unter Proto-Metal verstanden wird, also Blue Cheer, Pentagram und - natürlich - Black Sabbath.

Darüber hinaus ist "Opulent Decay" ein zutiefst stimmungsvolles Werk, was insofern Sinn ergibt, als sich die Kanadier aus Vancouver in der Provinz British Columbia thematisch fiktiven Abstraktionen, dem Übersinnlichen und Traumreisen widmen. Cams Texte wurden von bekannten Dichter-Namen der Romantik inspiriert (Keats, Shelley, Taylor-Coleridge), das Songwriting hingegen lässt keine direkten Verweise auf bestimmte Vorbilder zu.

Prinzipiell sind kompakte Nummern wie das wehmütige Titelstück oder die Power Ballade 'The Iron Wind' feinster AOR-Stoff, wurden aber klanglich vergleichsweise roh in Szene gesetzt, weshalb Melodic Rock-Anhänger SPELL wahrscheinlich verpönen werden, doch sie dürften ohnehin nicht die Zielgruppe der Jungspunde sein.

Synthesizer und der Gitarrist Graham McVies ausgiebiger Gebrauch eines Flangers verleihen dem Material einen kauzig futuristischen Charakter, wobei etwa 'Sibil Vane' auch an neuere Slough Feg erinnert. Die beiden stärksten Tracks 'Dawn Wanderer' (kann sich jemand eine Mischung aus Boston und dem selbst betitelten Yes-Debüt vorstellen?) und 'Imprisoned By Shadows' als rockigste Nummer im Programm strahlen eine emotionale und auch ohne Rücksicht auf die Lyrics inhaltliche Tiefe aus, die in diesem Bereich nur wenige aufweisen. Dies macht "Opulent Decay" neben seiner kompositorischen Güte endgültig zu einer zwingenden Scheibe, egal wo man das Trio nun konkret stilistisch einordnet.

FAZIT: Fantasievoller Hardrock der klassischen Sorte, klischeefrei und in Sachen Liedschreibe weit vorne. Sollten SPELL nicht bald von einem größeren Label aufgegriffen werden, müsste es mit dem vielzitierten Teufel zugehen. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/92359108ca3a4237bfeca27ae4494fdb" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.04.2020

Tracklist

  1. Psychic Death
  2. Opulent Decay
  3. Sibyl Vane
  4. Primrose Path
  5. The Iron Wind
  6. Dawn Wanderer
  7. Deceiver
  8. Ataraxia
  9. Imprisoned By Shadows
  10. Saturn's Riddle

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Bad Omen / Cargo

  • Spieldauer

    49:03

  • Erscheinungsdatum

    10.04.2020

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