Wer in den frühen 1990ern nicht gerade jedes Demo einen Tick zu spät gekommener Bands im Fahrwasser des ausklingenden Thrash-Booms abgegriffen bzw. grundsätzlich kein Interesse am Underground an den Tag gelegt hat, kennt SURGICAL STRIKE nicht. Die Band löste sich 1996 drei Jahre nach ihrer Gründung auf und fand - kaum zu fassen - erst 2014 wieder zusammen. Seitdem scheint so etwas wie Regelmäßigkeit bei ihr eingekehrt zu sein, denn der 2016 erschienenen EP „X-II-XII“ folgt nun - jawohl - ein allererstes Album.
Das vorangegangene Kurzformat deutete bereits an, dass die Zeit für die Mitglieder irgendwann, kurz nachdem sie sich damals zusammengefunden hatten, stehengeblieben sein muss. Produktionstechnisch mögen SURGICAL STRIKE "Part of a Sick World" so zeitgemäß in Szene gesetzt haben, dass man sie für eine weitere junge Combo vom Schlage Municipal Wastes, Gama Bomb oder Evile halten könnte, aber stilistisch gestaltet sich die Chose von Anfang bis Ende altbacken.
Exodus respektive allgemein der Sound der US-amerikanischen Westküste Ende der 1980er bleiben der stärkste Einfluss des Quintetts. Damit einher geht ein gewisser Anspruch sowohl spielerischer als auch kompositorischer Art, denn auf der Platte dominieren bei aller Impulsität spürbar sorgfältig ausgetüftelte Kompositionen, mit denen sich SURGICAL STRIKE zwar die in diesem Bereich unerlässliche Direktheit bewahren, aber eben auch nicht den kleinsten (plumpen) gemeinsamen Nenner bedienen.
Frontmann Jens Alberts unflexible Stimme ist unabhängig davon, dass das Ganze logischerweise nicht für zwei Cent originell klingt, eine merkliche Achillesferse, denn sie wird der fast noch mit pubertärer Begeisterung demonstrierten Handwerkskunst der Instrumentalisten bisweilen nicht im vollen Umfang gerecht. Einfach gesagt verwirken SURGICAL STRIKE seinetwegen oft einen Teil der Dynamik, die sie über ihr abwechslungsreiches Songwriting erzeugen.
Davon abgesehen darf man "Part of a Sick World" ohne Vorbehalte an die Thrash-Gemeinde weiterreichen.
FAZIT: Was lange währt, wird im Fall von SURGICAL STRIKE ein etwas konturarmes, aber von der Ästhetik bis zur eigentlichen Musik stilechtes Thrash-Debüt im Geist der nordamerikanischen Pioniere. <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/ed3fb5984b4f4659a1092ea4e2703b96" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.01.2020
Metalville / Rough Trade
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24.01.2020