Zurück

Reviews

Swedish Death Candy: Are You Nervous?

Stil: Indie- und Brit-Pop, Psychedelic

Cover: Swedish Death Candy: Are You Nervous?

Bist du nervös?
Ja, ich wurde es, als es um das Schreiben dieser Zeilen für das großartige Album von SWEDISH DEATH CANDY ging…
...denn aus hier mal nicht weiter breitgelatschten Gründen war uns das bereits am 27. September 2019 erschienene „Are You Nervous?“-Album der nicht etwa aus Schweden, sondern aus dem brexitgebeutelten London stammenden Band durch die Lappen gegangen. Ein böser Fauxpas, denn wer psychedelische Musik in Kombination mit Brit-Pop/Rock allererster Güteklasse mag, der auch gerne Richtung BEATLES oder LED ZEPPELIN schielt, dem werden die tödlichen Lutschbonbons viel Leben auf jeder Musikanlage hauchen, gerade wenn man sich für die sehr geschmackvolle LP-Ausgabe entscheidet, die mit transparentem bzw. orangefarbenem Vinyl samt einem zweiseitig bedruckten Hochglanz-Poster und DL-Kärtchen beeindruckt. Auch der klangvolle Sound von „Are You Nervous?“ lässt keinerlei Wünsche offen.

Bereits auf <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/Swedish-Death-Candy/Swedish-Death-Candy/" target="_blank" rel="nofollow">ihrem selbstbetitelten Debüt im Jahr 2017</a> ließen die vier Briten mit einer Kombination aus Psyche und Brit Pop plus Stoner Rock aufhorchen, mit dem nervösen, noch etwas rockigeren Nachfolger, der mit der „Interstellar Love Machine“ sofort feurig durchstartet, legen sie noch eine Rockschaufel drauf und zeichnen sich mit zusätzlichen, breitgefächerten Klangspielereien und viel atmosphärische Schwingungen aus, denen man sehr schnell verfallen kann und beim 7-Minuten-Longtrack „Journey To The 13th Floor“, mit offensichtlichen MC5-Referenzen, spätestens auch verfällt.

Retro hin oder her – hier macht der Stoner Rock echt Spaß, gerade weil er nicht einseitig nur in die Vergangenheit schielt, sondern immer wieder den Blick in Richtung Zukunft wendet. Selbst das Cover mit dem Sprung durch das Universum enthält neben der optischen Universalität zugleich einen Verweis auf die akustische Intensität. SWEDISH DEATH CANDY tuen alles dafür, dass einem keine einzige Hörminute langweilig und man noch dazu wegen qualitativer Mängel jemals nervös wird.

Das „Modern Child“ jedenfalls wird nicht nur in dem Titel der A-Seite, sondern die ganze LP lang, mal etwas ruhiger an die Brust gelegt und mit kräutrigen, psychedelischen oder space-schwangeren („Always“ begibt sich dabei sogar auf eine rollend-steinige „Their Satanic Majesties Request“-Reise!) Substanzen gestillt und damit erneut auf Hochtouren gebracht.
Positv blickwinklig gesehen hibbelig machende ADHS-Musik, die ihre Wirkung auch bei trostlosen Schwerenötern nicht verfehlt.
„Are You Nervous?“
„Aber klaro!“

<iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/0kAkaYk6bb0" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe>

FAZIT: Machen todbringende schwedische Lutschbonbons aus britischer Herstellung nervös? Unter Gourmet-Sicht sicherlich, nicht aber, wenn man ein 'ohraler' Feinschmecker ist, denn dann wird der britische Vierer SWEDISH DEATH CANDY mit „Are You Nervous?“ allen Stoner-, Psyche-, Space- und Brit-Rock-Freunden große akustische Freude bereiten. Und wer sich für die LP-Variante im transparenten oder orangefarbenen Vinyl mit schön anzusehendem Cover sowie glänzendem Poster auf Doppel-LP-Größe entscheidet, der bekommt gleich noch jede Menge Geschmackvolles für die Augen gratis mit dazu.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.09.2020

Tracklist

  1. <b>Seite A</b> (23:44):
  2. Interstellar Love Machine (3:46)
  3. Modern Child (4:03)
  4. A Date With Caligula (3:57)
  5. Always (3:27)
  6. Green (3:52)
  7. Space Holiday (4:39)
  8. <b>Seite B</b> (20:37):
  9. Mother (Earth) (3:48)
  10. Slowly (2:08)
  11. Journey To The 13th Floor (7:43)
  12. Charismatic Authority (3:29)
  13. The Scream (3:29)

Besetzung

  • Bass

    Jiwoon Whang

  • Gesang

    Louis Perry

  • Gitarre

    Francesco Codardo, Louis Perry

  • Keys

    Francesco Codardo

  • Schlagzeug

    Marco Ninni

Sonstiges

  • Label

    Hassle Records/Membran

  • Spieldauer

    44:21

  • Erscheinungsdatum

    27.09.2019

© Musikreviews.de