In Zeiten, da das Genre „Melodic Rock“ durch inflationären Gebrauch mitunter einen negativen Beigeschmack bekommen hat, versuchen einige Bands, diesem Etikett zu entgehen und stecken ihre Musik in teilweise seltsam anmutende, weil kaum passende Schubladen. So geschehen bei der vorliegenden Platte „Brave Tin World“ der Schweden THE MURDER OF MY SWEET, denn das einzig metallische der unter dem Banner „Symphonic Metal“ angetretenen Combo um das chilenische Mastermind Daniel Flores bleibt der Titel des neuen Erzeugnisses.
Etwa so beinhart-metallisch wie HELENE FISCHER kredenzt die Band in ihrem fünften Streich leichte, gut verdauliche AOR / Pop-Rock-Kost, die meilenweit weg vom selbstgewählten Genre daherkommt. Waren in den Anfangsjahren noch durchaus Ecken und Kanten zu vernehmen, kommt das neue Werk gänzlich ohne solches Beiwerk aus, was die Sache zwar radiotauglich, für Fans des härten Genres aber ungenießbar macht.
Daneben macht das mediokre Songwriting die Chose unter dem Strich ziemlich schwer verdaulich, zu berechenbar und wenig überraschend gestaltet Daniel Flores die Tracks, der in der Vergangenheit schon wesentlich kreativer zu Werke gegangen ist. Der Opener „Tin Soldiers“ liefert mit der Textzeile: „It´s alright, it´s OK – but it ends here“ das (vermutlich unfreiwillig) zutreffende Motto der Langrille, denn mehr als „OK“ kann als Wertung nicht gegeben werden und wenn Flores zukünftig nicht wieder musikalische Lichtblicke gelingen, tritt automatisch Teil 2: „it ends here“ in Kraft.
„My Religion“ ist ein Song, den man ruhigen Gewissens skippen kann, „Head Of The Snake“ gehört noch zu den Lichtblicken, obwohl auch dieses Werk nicht unbedingt als Geniestreich durchgeht. Sicherlich gibt es viele „Reasons To Live“, besagter Track biederster Songwriter-Kultur gehört definitiv nicht dazu. „Safe In The Shadows“ kann ebenso wenig mitreißen wie „Hit The Ground“, der irgendwie an 80er-Jahre Soundtracks vergessener Tanzfilmchen erinnert, bevor mit „Everyone Wins“ die anachronistische und zudem falsche Pattitüde nach Flores verlesen wird. Ganz schlimm.
„Memento“ als Quotenballade, „Keeper Of The Flame“ als zwanghaft-konstruierte Groovenummer, sowie „Worth Fighting For“ und „Alchemy Of Sins“ beenden das Album, ohne auch nur ansatzweise Wiedererkennungswert zu generieren.
FAZIT: „Brave Tin World“ markiert den Tiefpunkt im Portfolio der Schweden THE MURDER OF MY SWEET, deren chilenisches Mastermind Daniel Flores seiner teilweise genialen Fähigkeiten im Laufe der Jahre scheinbar komplett verlustig gegangen ist. Ein Werk nur für Die-Hard-Fans der Combo, ein Album, das auch nach mehreren Durchläufen unbedeutend und blutleer bleibt. Schade.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.02.2020
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Daniel Flores
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06.12.2019