Die österreichische Band BLIND PETITION existiert bereits seit 1974. Sie hat in dieser Zeit sechs Studioalben aufgenommen und ebenso viele Live-Mitschnitte veröffentlicht, jetzt erscheint eine Kompilierung von raren und bislang nicht offiziell erhältlichen Songs. Soundmäßig wurde alles überarbeitet, trotzdem bleibt der raue und ungeschliffene Charakter des Materials erhalten.
Die Band agierte hinsichtlich ihrer Entstehungszeit logischerweise an der Schnittstelle zwischen Hardrock und Heavy Metal, wobei man den auf "30 Years In A Hole 1991 Rarities & Outtakes" enthaltenen Songs zu jeder Sekunde anhört, dass sie aus Zentraleuropa stammt.
Viele der Aufnahmen weisen einen stark ausgeprägten Demo-Charakter auf, der wiederum mit einem nicht von der Hand zu weisenden Live-Flair einhergeht, weshalb man diese Fassungen den Studio-Originalen gegenüber unschwer vorziehen darf. Nummern wie ´Look up the grave´ gehen als Bastard durch, den die frühen Accept mit Manilla Road (dieser Vergleich drängt sich wegen Frontmann Johannes Bartschs nasalem Timbre auf) gezeugt haben.
Wohingegen ´Stardust´ auf einer Rose-Tattoo-würdigen Slide-Gitarre beruht und ´Forever free´ nachgerade doomig anmutet, gehören ´Shock therapy´, ´Only suspense´ und ´Deny´ zu den flotteren Momenten dieser Werkschau der anderen Art. BLIND PETITION zeigen sich nur selten so verspielt wie während ´The fools game´ doch selbst einem geradlinigen Kracher wie ´Danger´ kann man nicht vorwerfen, einseitig zu klingen.
Kurzum: Diese Stücke sind ungeachtet ihres nur mäßigen Klangbilds zeitlos, wobei ´Hero 2010´ als aktuellere Neuaufnahme eines alten Tracks andeutet, wozu die Band in jüngerer Zeit fähig ist, wenn die Produktion stimmt.
FAZIT: Cooler Sampler zu einem wertvollen Stück Austria-Metal, gleichwohl man sich als Unbedarfter vielleicht besser zunächst BLIND PETITIONs Debüt-Klassiker "Welcome to Win" von 1987 zulegt und dann zum Vergleich "Law & Order" von 2014 nachschiebt. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c99eb8ae63e54202b69b0745fc6cb205" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.07.2021
Thomas Gehrke
Bertl Bartsch, David Strohmeier, Johannes Bartsch
Bertl Bartsch, David Strohmeier, Johannes Bartsch
Harald Bartsch
Pure Steel / Soulfood
60:13
09.07.2021