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Son Volt: Electro Melodier

Stil: Americana

Cover: Son Volt: Electro Melodier

Wenn einer Americana im weitesten Sinn fürs Hier und Jetzt relevant aufbereiten kann, war und ist es Jay Farrar, der schon mit Uncle Tupelo US-Folk-Geschichte schrieb. Die Tatsache, dass er dieser Tage mit dem zehnten Album seiner Band auf der Matte steht und die Szene deshalb den Atem anhält, ist als Beleg dafür aussagekräftig genug, und "Electro Melodier" hält auch wirklich, was der Ruf verspricht, der SON VOLT mittlerweile vorauseilt.

So wie der Titel auf die Namen zweier klassischer Instrumentenverstärker aus den 1940ern und ´50ern anspielt, rückt die Grupp die seinerzeit vorherrschenden Stile sogenannter Populärmusik in den Brennpunkt des Geschehens. Thematisch könnten die enthaltenen Songs aber kaum aktueller sein, ganz zu schweigen von dem Umstand, dass die meisten auch das Potenzial besitzen, zeitlose Gassenhauer zu werden.

´Reverie´ gemahnt zu Beginn an die beherzten Gitarren-Nummern aus Neil Youngs Solo-Repertoire, und ´Arkey Blue´ steckt mindestens knietief im Hardrock der 1970er - breitbeinige Riffs einerseits, gefühlvolle Klavier- und Orgel-Passagen andererseits, dazu die unverkennbare Stimme des Leaders, der einmal mehr allerlei Lebensweisheiten zum Besten gibt.

Nichtsdestoweniger wird es beispielsweise in ´Livin' in the USA´ und ´The Globe´ recht politisch, wobei es kein Zufall sein dürfte, dass man sich in Hinblick auf SON VOLTs Gestik und Arrangements an Bruce Springsteens Schaffen während der 1980er erinnert fühlt… Merkt ihr was?

Richtig, mit fortlaufender Spielzeit stellt sich der Eindruck ein, die Gruppe würde mal eben 50 bis 70 Jahre Musikgeschichte aufbereiten und zu einem ihr eigenen Destillat eindampfen. Selbiges umfasst intime Liedermacher-Tracks wie ´Diamonds and Cigarettes´ oder ´War On Misery´ sowie klagende Country-Balladen mit Pedalsteel-Gitarre (´Sweet Refrain´) oder Banjo (´Rebetika´) neben den satteren Stücken, die sich allerdings leicht in der Minderheit befinden.

FAZIT: "Electro Melodier" ist seinem Vorgänger "Union" (2019) unter musikalischen Gesichtspunkten ebenbürtig, weil SON VOLT ihren Stil beibehalten haben. Mehr als eine ausgewogene Mischung aus folkloristischen Tönen, wenig Blues, noch weniger Soul und etwas mehr Rock inklusive kluger Lyrics braucht man hier nicht, um dauerhaft glücklich zu werden respektive zu bleiben. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a315b241f9c74a03bbeb05383b9c0787" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.07.2021

Tracklist

  1. Reverie
  2. Arkey Blue
  3. The Globe
  4. Diamonds and Cigarettes
  5. Lucky Ones
  6. War On Misery
  7. Living In The USA
  8. Someday Is Now
  9. Sweet Refrain
  10. The Levee On Down
  11. These Are The Times
  12. Rebetika
  13. The Globe Prelude
  14. Like You

Besetzung

  • Bass

    Andrew DuPlantis

  • Gesang

    Jay Farrar, Mark Spencer, Andrew DuPlantis

  • Gitarre

    Jay Farrar, Mark Spencer, Chris Frame

  • Keys

    Mark Spencer

  • Schlagzeug

    Mark Patterson

Sonstiges

  • Label

    Transmit Sound / Thirty Tigers

  • Spieldauer

    55:07

  • Erscheinungsdatum

    30.07.2021

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