Viva Las Vegas… oder auch nicht im Fall von Stu Brundy (ehemaliger Sänger der Hardcore-Combo Folsom) alias SPIRITWORLD, denn das zu einer neuen Band gewachsene Soloprojekt verbindet seine musikalischen Wurzeln mit den frühen, noch Thrash-lastigen Auswüchsen des US-amerikanischen Death Metal zu einem wuchtigen Ganzen, dessen Ästhetik sozusagen auf heißem, rotem Sand und roter Haut beruht.
Der Mann hat indianische Wurzeln, doch die hört man dem Langspiel-Einstand der Gruppe ebenso wenig an wie die Liebäugeleien mit sogenanntem Outlaw Country beziehungsweise traditionellen Liedermachern, denen Stu noch vor ein paar Jahren nachging. Nicht auf "Pagan Rhythms" enthalten sind deshalb logischerweise sein 2017 veröffentlichtes erstes Demo, die 2018er Digital-Single ´Viper Blood´ (beide zum Nulltarif bei Bandcamp als Downloads) sowie die zwei teils akustisch orientierten Tracks einer schon 2019 erschienenen Split-EP mit den Texanern Black Coffee - ´Curse of the Transient´ und ´Zevon Forever´, ein Tribut an den exzentrischen verstorbenen Singer-Songwriter Warren Zevon.
Das bereits 2020 in Eigenregie herausgebrachte Album besticht dadurch, dass es eine starke Wirkung mit relativ minimalen Mitteln erzielt. Simple, effektive Riffs, ein paar kurze wie geschmackvolle Soloeinlagen, viel Midtempo-Slayer-Mosh (´The Demon Storm´) und eine finstere Stimmung wie bei im besten Sinn scheußlichen frühen Todesblei-Acts wie Possessed (´Comancheria´) stehen an der Tagesordnung. Eingeleitet von Gitarren-Feedback und Sprechfetzen aus Predigten diverser Eiferer gegen "böse" Rockmusik folgen die akustischen Nackenschläge im Akkord aufeinander.
Die Highlights der von Pop-Punk-Produzent Sam Pura klanglichderb in Szene gesetzten Platte sind neben den bereits erwähnten Tracks das wahnsinnige Blastbeat-Sperrfeuer ´Unholy Passages´ und das zuletzt stimmungsvoll kriechende ´Ritual Human Sacrifice´ inklusive Gospelchor-Sample zum Schluss, während alles so in Rückkopplungen ausklingt, wie es begonnen hat. Für einen Teil der Drum-Parts konnte Brundy übrigens immerhin Thomas Pridgen gewinnen, in dessen Lebenslauf unter anderem The Mars Volta stehen, alldieweil er mit Vorschusslorbeeren hipper Gönner wie ex-Sepultura-Frontmann Max Cavalera an den Longplay-Start geht.
FAZIT: "Pagan Rythms" fungiert gewissermaßen als Soundtrack zu Mastermind Stu Brundys erst im Alleingang veröffentlichten und mittlerweile bei einem kalifornischen Verlag gelandeten "Death Western"-Roman "Godlessness". Davon abgesehen lebt der Schreihals bei SPIRITWORLD bist auf weiteres nicht mehr seinen inneren Everlast aus, sondern zeigt sich eher als Bruder im Geiste von Untamed Land aus Ohio; wohingegen dort Stilmittel aus dem Black Metal mit sinfonischen Elementen verschränkt werden, regiert hier der grobe USHC-Knüppel, mit lediglich inhaltlich erkennbaren Bezügen zur Americana-Kultur. Das Ergebnis klingt frisch und vertraut zugleich, obwohl Stu seine besten Songs erst noch schreiben dürfte. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/8484421815d74531b642998e13fc4d76" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.11.2021
Justin Fornof
Stu Brundy
Matt Schrum
Thomas Pridgen, Adam Alliott
Century Media / Sony
31:12
05.11.2021