Besinnliche Musik zu einer nachdenklichen Zeit? STEVE HACKETTs Kreativität und ihre qualitativ hochwertigen Ergebnisse in den vergangenen Jahren scheinen nicht abzureißen, wobei "Under A Mediterranean Sky" zwar kein völliges Novum in der umfangreichen Diskografie des ehemaligen Genesis-Gitarristen darstellt, sie aber im zur Abwechslung mal wieder akustischen Rahmen um eine weitere Nuance bereichert.
Der letzte Longplayer des Briten "ohne" elektrische Verstärkung war 2008 "Tribute", eine auf klassischen Vorgaben beruhende Hommage an seine Vorbilder am Instrument, wohingegen der aktuelle Release aus Eigenkompositionen besteht. Das Klangbild, das sich unter diesen Vorzeichen ergibt, ist dem vorangegangenen Werk allerdings sehr ähnlich.
Die bis auf die neun eröffnenden Minuten von 'Mdina (The Walled City)' relativ kurzen Stücke weisen einen ausgeprägten Soundtrack-Charakter auf, und der Film, der beim Hören vor dem geistigen Auge abrollt, spielt dem Plattentitel entsprechend im Mittelmeerraum. So gesehen sind die elf Tracks zunächst einmal ein Streifzug durch das musikalische Erbe Südeuropas, wobei Flamenco tanzende Paare, französische Chansonniers und temperamentvolle Italiener zu Gassenhauern alter "cantores" schunkeln.
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Das perkussive 'Sirocco' und das bedrohliche wie virtuose 'The Dervish And The Djin' schielen hingegen nach Nordafrika, während 'Scarlatti Sonata' wiederum an den spätmittelalterlichen Stiefel entführt. Bei alledem vermisst man Gesang selten bis gar nicht, auch wenn ein solches Projekt nicht weniger reizvoll gewesen wäre. Mit starken Sängerinnen und Sängern hat HACKETT über die Jahre hin schließlich regelmäßig gearbeitet, und über die Einsicht hinaus, dass der Veteran hier als atemberaubend fingerfertiger Multi-Instrumentalist brilliert, wäre ein rein akustisch aufspielendes Ensemble mit Vocals auf sein Repertoire ein wirkliches Novum.
Was nicht ist, kann aber … ihr wisst schon.
FAZIT: STEVE HACKETT in bestechender puristischer Form an mehreren Saiteninstrumenten und als Arrangeur, der seine vielköpfige Helfer-Formation mit mal fülligen, mal sparsam beschriebenen Partitur-Blättern an der Schnittstelle von Orient und Okzident entlangführt. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/9490eb61e8a54e8f8a9afee2c86f654a" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.01.2021
Inside Out / Sony
51:19
22.01.2021