Was tun, wenn eine geliebte Tradition wegen eines weltweit grassierenden Virus nicht gepflegt werden kann? Für SUBWAY TO SALLY lautete die Antwort in Hinblick auf ihre jährliche "Eisheilige Nacht": "Machen wir das ganze ohne Publikum als Stream im Internet."
Nicht originell, aber wie von der Gruppe zu erwarten mit "state of the art"-Anspruch und offensichtlicher Fan-Liebe realisiert …
In harten Zeiten verklärt man gern die Vergangenheit, also lag es für die Potsdamer Band nahe, sich nach Ewigkeiten wieder im Lindenpark ihrer Heimatstadt einzufinden, wo ihre sagenhafte Karriere ihren Anfang nahm. Gäste aus dem Umfeld von Lord of the Lost, Saltatio Mortis, Schandmaul und Feuerschwanz - die performen ihr eigenes ´Das elfte Gebot´ - sowie Patty Gurdy (´Kalte Winde´) und Majorvoice (´Kein Meer zu tief´) runden die Feierlichkeiten ab, doch der kollektive Star ist die Setlist.
Abgesehen von ein paar logischen Auszügen des durchwachsenen aktuellen Longplayers „Hey!“ (2019) bieten SUBWAY TO SALLY ein Best-of-Programm, das freilich nicht alle diskografischen Highlights enthalten kann, dafür aber sehr ausgewogen ist und auch nicht unbedingt nur die nächstliegenden Tracks umfasst.
Abgesehen von ´Falscher Heiland´, der ´Henkersbraut´ oder dem Ohrwurm ´Kleid aus Rosen´ stechen ´Arme Ellen Schmitt´, ´Unsterblich´ und ´Eisblumen´ in puncto Performance und Show-Effekt hervor, wobei man die CD-Variante selbstverständlich nur notgedrungen wählt, um nur die Musik zu hören, wohingegen die Blu-ray/DVD die eigentlich richtige "Konsumform" sein sollte.
Die Band ist längst für ihre energiegeladenen und in Sachen Licht bzw. Bühnenkulisse stylish aufgezogenen Konzerte bekannt, und ein solches war dieses hier natürlich auch. Die Regie hat ganze Arbeit geleistet, der Schnitt ist dynamisch bis zum unvermeidlichen Rausschmeißer ´Julia und die Räuber´, aber nicht hektisch wie so oft bei Live-Videos.
Das Ganze ist nicht nur als Doppel-CD und auf Vinyl erhältlich, sondern auch als für Napalm Records obligatorische Blu-ray-DVD-Kombination mit den CDs und - Kingsize! - sogenanntes "Deluxe Bundle": auf 300 Exemplare limitiert (bereits ausverkauft) mit schickem Turnbeutel, Mediabook, Anhänger, Lanyard und Quasi-Backstage-Pass. Auch ohne diese Gimmicks handelt es sich aber um …
FAZIT … eine der charmantesten Live-Veröffentlichungen von SUBWAY TO SALLY. Im Vergleich zu bisherigen Konzertmitschnitten des längst über alle Szenen und Stile erhabenen Septetts gewinnt "Eisheilige Nacht - Back to Lindenpark" mit erhöht nostalgischem Flair und einer auf ihr Gesamtwerk bezogen ungeheuer gut ausgewogenen Setlist. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/44b2897e08c04dc291eae28afe265f10" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.06.2021
Sugar Ray
Simon, Eric Fish, Bodenski
Simon, Bodenski, Ingo Hampf
Simon Michael
Ally Storch (Geige)
Napalm / SPV
114:53
18.06.2021