Unter den zig Livealben, die dieser Tage aus Verlegenheit veröffentlicht werden, ragt „20 Years Of Gloom, Beauty And Despair“ in puncto Umfang, Konzept und Umsetzung weit heraus. Mit dieser Jubiläumsfeier behaupten SWALLOW THE SUN ihren Sitz als Hochadel des Gothic Metal und zeigen der Szenemasse, wie man´s richtig macht.
Das wohldurchdachte Programm (Komplettaufführung von „North II“ in mehr oder weniger rein akustischer Form unter Miteinbeziehung eines Streichquartetts plus per Fan-Abstimmung zusammengestellte Best-of-Setlist im Anschluss) erzeugt auch dank wirklich anwesender Zuschauer, die man hört, eine eindringliche Konzertatmosphäre und zeigt, dass sich opulente Soundkulissen wie jene der Finnen organisch ohne Einspielungen aus dem Off auf der Bühne umsetzen lassen, wenn sich versierte und vor allem hingebungsvolle Musiker darum kümmern.
Das Verhältnis zwischen dem "North"-Material und dem ausschnitthaften Querschnitt der bisherigen Karriere von SWALLOW THE SUN beträgt ungefähr 1 zu 2, wobei die Auswahl der Anhänger der Band eine relativ breite Zeitspanne abdeckt, allerdings naturgemäß eben nicht umfassend sein kann, denn dafür müsste der Sechser vermutlich vier Stunden lang auf den Brettern stehen.
Bemerkenswert in jeder Situation, ob er nun weiter im Vordergrund steht oder nicht: Jaani Peuhu als Keyboarder und mittlerweile unerlässlicher Arrangeur, der den Sound der Band zu einem organischen Schmelztiegel aus klassischem Gothic Metal, dräuendem Doom und orchestralem Versatz gemacht hat, ohne dass eines dieser Elemente artifiziell anmuten würde.
Die DVD-Beilage ergibt hier im Übrigen tatsächlich Sinn, denn die bewegten Bilder sind wie der gesamte Rest von hoher Güte; falls ihr einen Mitschnitt einer Corona-Show kaufen müsst, dann diesen.
FAZIT:Mit einer rundum nahezu vollkommenen Live-Nachlese wie dieser darf sich jede Band ungeachtet ihrer Stilistik rühmen; für SWALLOW THE SUN bedeutet ein Kaliber wie "20 Years of Gloom, Beauty and Despair: Live in Helsinki" lediglich eine Bestätigung ihres Ausnahmestatus (nicht nur) im dunkel metallenenen Sektor. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0f4a768dd6f24ef5987d1f0dc2fd8c4c" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.07.2021
Matti Honkonen
Mikko Kotamäki, Jaani Peuhu
Juha Raivio, Juho Räihä
Jaani Peuhu
Juuso Raatikainen
Century Media / Sony
15:23
30.07.2021