Der jähe Tod seiner Partnerin Aleah Stanbridge hat SWALLOW THE SUNs Juha Raivio nachhaltig traumatisiert. Auch das jüngste Album seiner Band steht im Schatten des schmerzhaften Verlusts, wobei die Finnen sowieso noch nie um große Dramen und Gesten verlegen waren. Angesichts eines teilweise mit Blut gemalten Artworks und natürlich auch der neuen Musik der Band kann man es da selbst als halbwegs nüchterner Hörer mit Abstand mit den Tränen zu tun bekommen…
Nichtsdestoweniger gilt für "Moonflowers" das Gleiche wie für alle bisherigen Veröffentlichungen der Gruppe: Es ist kein aufgesetzt pathetisch vertontes Jammertal, sondern zeugt von aufrichtigen Gefühlen, die einmal mehr in für SWALLOW THE SUN typischen Gothic Doom der ausladenden Sorte verpackt wurden.
Dass die acht nie allzu langen Tracks in relativ kurzer Zeit im Herbst 2020 komponiert wurden, merkt man ihnen an, denn am Ende geht "Moontowers" als vielleicht kompaktestes Album des Quintetts durch. Die feinfühlig eingebauten Orchesterparts (eine echte Bereicherung insbesondere in der Single ´Enemy´) widersprechen diesem gedrungenen Gesamtbild genauso wenig wie das längere Zeit fast rein akustisch mäandernde ´The Fight For Your Life´ oder das vertrackte Finale ´This House Has No Name´ ((mit Antti Hyyrynen von Stam1na) ).
Die galligen Schreie und Blastbeats, die in diesem letztlich dennoch traurigen Abschluss zur Geltung kommen, färben auch den Rest der Stücke mehr oder weniger stark, wenn man von dem epischen Prog Pop ´Keep Your Heart Safe From Me´ (mit Oceans of Slumbers Cammie Gilbert) absieht. Unter diesen Gesichtspunkten dürfen sich kritische Beobachter dahingehend beruhigt sehen, dass SWALLOW THE SUN bei aller Gefühligkeit eine waschechte Metal Band von gediegener Härte waren, sind und wohl auch bleiben werden.
FAZIT: Nach 21 Jahren macht niemand mehr SWALLOW THE SUN etwas vor, wenn es um opulenten Trauerweiden-Metal geht, doch "Moonflowers" gehört nicht nur zu den am leichtesten zugänglichen Werken der Finnen (falls man das bei so schwermütiger Musik sagen darf), sondern bewahrt ihnen auch ein hohes Maß an Eigensinn, mit dem sie bislang immer noch überraschen konnten - klarer Stil ja, beschränkte Stilmittel nein. <img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f74040cba302476f8cf7c3ca38f48263" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.11.2021
Matti Honkonen
Mikko Kotamäki
Juha Raivio, Juho Räihä
Juuso Raatikainen
Century Media / Sony
52:40 + 32:08
19.11.2021