Nachdem Ván Records eine Zeitlang keine übergreifend bemerkenswerten Releases vorzuweisen hatten, bestätigt das Label erneut seinen Entdecker-Ruf und legt eine Underground-Perle frei, von der die breite Metal-Masse noch keine Notiz genommen hat. THE NIGHT ETERNAL platzten 2019 mit einer selbst betitelten EP ins Szene-Geschehen, die weniger durch die ungewöhnliche Coverversionen-Wahl (Judas Priests ´(Take These) Chains´) bestach als mit fantasievoll gestrickten Classic Metal-Nummern aus eigener Feder glänzte.
Nun schmieden zwar zig alte wie junge Bands retrospektives Eisen, doch diese Essener umweht jenes schwer in Worte zu fassende Flair, das auch andere Acts im Programm ihrer Plattenfirma aufweisen, seien es die Mercyful Fate-Verehrer Attic oder selbstverständlich The Devil´s Blood. Die irgendwie okkulte Aura der Band lässt aber genauso an Portrait denken, und wie es der Zufall will, fällt ihr Debüt deutlich stärker aus als der aktuelle Longplayer der Schweden.
Auf "Moonlit Cross" wird Tradition völlig ohne Krämpfe gepflegt, und Sänger Ricardo ist ungeachtet der zweifellosen Eigenständigkeit der Instrumentalisten (die Lead-Parts zeugen wie schon auf dem Kurzformat von Charakter) ihr hellstes Alleinstellungsmerkmal. Er greift sich das Beste von King Diamond - eben nicht das Falsett-Affentheater, sondern die mittleren Register - und verwebt es wohl unbewusst mit Nuancen mehrerer Rocksänger mit unverkennbaren Stimmen, vor allem Enrique Ortiz de Landázuri von Heroes del Silencio (höre das zittrige ´Cloaked In Darkness´).
Ansonsten kommen frühe Iron Maiden wie im galoppierenden ´Son Of Sin´ oder während ´Prison Of Flesh´ zum Zug, aber falls beim Lesen all dieser Assoziationen der Verdacht entsteht: Nein, THE NIGHT ETERNAL weisen nicht das geringste Pathos auf und bedienen null Klischees. Vielmehr erzeugt ihr Einstand von vorn bis hinten glaubwürdige Gänsehaut-Dramatik und geht als später True Metal-Höhepunkt in die Bestenliste des Jahres 2021 ein. Ultimativer Anspieltipp: das bereits von der 2020 erschienenen, einseitig bespielten Single ´Shadow´s Servants´ bekannte und so betitelte Stück.
FAZIT: Klassischer Heavy Metal auf der Höhe der Zeit, aber mit Sepia-Glanz und staubiger Mystik gesegnet - Besser als THE NIGHT ETERNAL wird´s in dieser Ecke 2021 (und darüber hinaus?) definitiv nicht. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/0e299a5db8fd4fae8e898f47c86d8f20" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.11.2021
Jones Nühlen
Ricardo
Rob Richter, Henry
Aleister Präkelt
Ván / Soulfood
40:55
05.11.2021