Dass hier eine gehörige Portion Ironie mit im Spiel ist, sollte hoffentlich jedem klar sein, der sich an den „Genuss“ von „Maximum Erection“ heranwagt. Nicht nur in puncto Aufmachung und fehlender Feingeistigkeit in den Texten lassen sich Parallelen zu Schabernack-Kapellen a la STEEL PANTHER ziehen.
Braucht die Welt eine weitere überdrehte Version des Sex, Drugs & Rock ‘n Roll Klischees? Eigentlich nicht.
Was aber nicht zwingend bedeutet, dass BOBA CAT voll in die Scheiße greifen. Vielmehr muss den Musikern zugutegehalten werden, dass sie durchaus ein Händchen für zwanglosen Glam Metal haben. Ob allerdings das eingearbeitete Christopher Lee-Feature im doch sehr platt betitelten „Bleeding While Shittin“ dem Schauspieler (R.I.P) gerecht wird, sei hier mal unkommentiert.
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Maximal penetrant werden BOBA CAT in „Sakana Disupensa“.
Disco-Gedöns und K-Pop-Gejaule haben auf einem Album, das den Terminus „Rock“ in egal welcher Form für sich beansprucht, einfach nix verloren. Feingeistigen Humor erwartet ja keiner, ob’s aber den unbedingten Beweis für das Fehlen von selbigem in Form von „Gentlemen’s Agreement (Oh Joe…)“ braucht, ist fraglich.
Bei Titeln wie „Nipple Twist“ oder „Sally I Banged Your Mom Last Night“ sollte aber klar sein, dass das Gebotene erstens nicht wirklich ernst gemeint ist (hoffentlich!) sowie kaum ernst genommen werden sollte und zweitens doch irgendwie eine Hommage an die Klischees des Genres der 80er-Jahre ist.
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Das ist zwar noch nicht ganz so überzogen peinlich wie es z.B. die zuvor genannten STEEL PANTHER mittlerweile abziehen, aber BOBA CAT sind ihren Vorbildern durchaus auf den Fersen. Allerdings muss man der Band eins lassen: So sehr die Thematik nervt, so überzogen diese Vertonung von Klischees auch empfunden wird, die Musiker beherrschen ihren Stil und können ohne Frage spielen (und nicht nur an sich selbst, sondern eben auch an ihren Instrumenten). Ob der Fokus in der vielgerühmten Dreiheit aus Sex & Drugs & Rock'n'Roll aber vorwiegend auf letztgenanntem Anteil liegt, lässt sich nicht zweifelsfrei beantworten. Immerhin lassen sich die dümmlichen, ironisch-unglücklichen/(un)witzigen Texte doch teilweise ausblenden und es kommt sowas wie musikalisches Können zum Vorschein.
Texte wie der von „Home Cumming“ oder die infantil-nervige „Lyrik“ von „Gettin Naked (Is What Friends Do)“ sind allerdings doch arg grenzwertig, noch dazu wenn die Musik klebrig-eingängig wird. Hier kann der Band aber zu Gute gehalten werden, dass die Ironie doch ganz gut erkennbar ist.
„Hocus Pocus“ ist dagegen auf allen Ebenen schräg. Nerviges Gitarrengedudel trifft auf anstrengendes Vocoder-Gedöns und Keyboard-Kitsch, der den Glam-Größen der Vergangenheit in nichts nachsteht. Über die „Gesangs-Einlagen“ gen Ende sollte sich dagegen jeder Hörer selbst ein Urteil bilden. Gleiches gilt für die letzten drei Titel auf „Maximum Erection“ zu denen sich potenziell geneigte Hörer am besten vorab ein Bild über die gängigen Streaming-Plattformen machen (zwecks Geld sparen und so…).
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FAZIT: Handwerkliches Können darf immer noch etwas wert sein und egal wie man zu derartigem Sound steht, BOBA CAT können spielen und Songs schreiben. Das sollte bei „Maximum Erection“ honoriert werden. Was die überzogene Ironie, die chauvinistische Thematik (egal wie ironisch sie gemeint ist) und die penetrante Optik der Band betrifft, lässt sich sicherlich eine genauso hitzige Diskussion über Sinn und Zweck des Ganzen lostreten, wie sich über das Vorhandensein von musikalischem Geschmack und thematischen Schamgrenzen im Bereich des Glam-Metal generell ganz herrlich streiten lässt.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.04.2022
Joe Kartoffel
Buzz Dee
Buzz Dee
Eric Hi-Def
Buffalo Till
Ronald Köhler (Saxofon), Ilay (Growls/Shouts in „Plane Crash“)
Eigenproduktion
55:36
08.04.2022