Was BRYMIR im wilden Wust der vielen skandinavischen Wikinger- und Heiden-Metal-Kapellen ein Stück weit einzigartig macht, ist die Tatsache, dass die Finnen ihr hartes Fundament nahtlos mit orchestralen und folkloristischen Elementen verzahnen, es aber nie übertreiben und den jeweils zugrunde liegenden Headbanger-Song als solchen strahlen lassen. Der Großteil der Tracks ihres neuen Albums wurde zu durchschnittlich vier Minuten langen Energiebündeln arrangiert, die das Material der drei Vorgänger in puncto Prägnanz ausstechen.
Heroische Chöre (wunderschön und ohne jegliche Abgeschmacktheit: ´Rift Between Us´) und Gitarrenhelden-Solos gehören weiterhin zu den wesentlichen Gestaltungsmitteln der Musik von BRYMIR. Battle-Beast-Klampfer Joona Björkroth befindet sich hier mehr noch als bei seiner Hauptband in seinem Element, während Shouter Viktor Gullichsen keine Anstalten macht, sich in melodischem Schwulst zu ergehen; der richtige Gesang beschränkt sich wirklich nur auf die Chöre, weshalb beispielsweise ´Forged in War´ abgesehen von seinem hymnischen Kehrvers mehr oder weniger reinrassiger Thrash ist.
Bei ´Herald of Aegir´ müsste man das sinfonische Unterfutter entnehmen, um eine organisch wütende Stakkato-Peitsche zu erhalten. Der Zierrat bereichert die Kompositionen aber tatsächlich, statt nur schmuckes Beiwerk zu sein, weshalb "Voices In The Sky" insgesamt kompakter daherkommt als und nicht so grell ist wie das Werk von Ensiferum, die anfangs als wesentliche Inspiration der Band dienten (benannt war sie zunächst immerhin Lai Lai Hei wie der gleichnamige Song der Landsleute).
Der finsteren Walze ´Fly With Me´ steht das bei allem Geklirr à la Wintersun warm kraftvoll tönende ´Landfall´ als Referenzsong im Zentrum des Geschehens, ehe mit ´Borderland´ der Hit-Anwärter der Platte folgt. Der Endspurt gestaltet sich mit dem Children-of-Bodom-artigen ´Far from Home´ und dem fast achtminütigen Epos ´All As One´ nicht weniger aufregend. Die Wahl einer Coverversion als abschließendem Bonustrack erschließt sich dann zunächst nicht, doch Dark Funerals ´Diabolis Interium´ passt wider Erwarten ausgezeichnet zu BRYMIR.
FAZIT: Wohltuend unprätentiöser Nordic Metal mit allen Schikanen in wohldosiertem Verhältnis zueinander - BRYMIR belegen mit ihrer vierten LP, dass man von solchem Stoff keinen Zuckerschock kriegen muss. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/04419784095f408ab9a87566d6389026" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.08.2022
Jarko Niemi
Viktor Gullichsen
Joona Björkroth, Sean Haslam
Patrik Fält
Napalm / SPV
55:26
26.08.2022