Man darf zweifelsohne darüber streiten, ob die Welt eine Neuaufnahme von "Slow Death" braucht. MORTEMs 1989 erschienene Demokassette, an der übrigens die beiden verstorbenen Mayhem-Mitglieder Euronymous und Dead mitwirkten ("Produktion" und Artwork), gilt zwar als eine der frühen Bodenplatten des letztlichen Bollwerks Black Metal, das Anfang der 1990er in Norwegen errichtet wurde, ist aber unter musikalischen Gesichtspunkten über seinen nostalgischen Wert hinaus eher fragwürdiger Natur.
MORTEM sind bekanntlich der Vorläufer der norwegischen Avant-Black-Metal-Pioniere Arcturus - gegründet von Gitarrist Sverd Johnsen, mit Hellhammer als Session-Drummer, Thorns-Schreihals Marius Vold und Bassist Tor R. Stavenes (Seidemann von 1349).
Die 2022er Version von "Slow Death" erscheint als Doppel-CD respektive LP mit zusätzlicher 7"-Single, und wohingegen Peaceville das ebenfalls enthaltene Kernmaterial als legendär angepreisen, ist in der Tat der Neufassungen-Teil das eigentlich Reizvolle an diesem Release.
Er wurde mit zwei zusätzlichen Tracks angereichert, ehe man das Original-Demo von 1989 auf der zweiten CD bewundern darf; eine Bandgeschichte und Fotomaterial runden den Release textlich und visuell stimmig ab. Die verständlicherweise noch mit pubertären Tod-und-Teufel-Texten ausgetatteten Demo-Nummern wurden von der aktuellen Besetzung im Sinne des kürzlich veröffentlichen und noch aktuellen Studioalbum "Ravnsvart" überarbeitet und legen somit ein Potenzial frei, das man beim Hören der alten Kassette (YouTube tut´s bei Nichtbesitz natürlich auch) nicht unbedingt erkennt.
Bei den Boni handelt es sich um das zusätzliche alte Stück ´Satanas´ und eine Coverversion von ´Funeral Fog´ von Mayhem mit dem Titel ´Likferd´ und norwegischem Text, die neben den neuen Einspielungen ein weiteres Highlight markiert.
FAZIT: Die Neuaufnahme von MORTEMs "Slow Death" ist für Extrem-Metal-Historiker interessant und bietet davon unabhängig für die ausklingenden 1980er typischen Death Metal mit Keyboards und "schwarzen" Knospen in rudimentärer, aber gar nicht mal so primitiver Form. Fürs Verständnis der Anfänge des sogenannten Second-Wave Black Metal kann man sich liebloser gemachte Re-Releases einbrocken. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ac302da9abaa4842b31e521f093658b3" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.02.2022
Tor R. "Seidemann" Stavenes
Marius Vold
Steinar "Sverd" Johnsen
Jan Axel "Hellhammer" Blomberg
Peace
40:25
18.02.2022