In Mount Isa, im Nordwesten des australischen Bundesstaates Queensland, werden Kupfer- und Zink-Blei-Erze abgebaut. Die Aufbereitungsanlagen machen das Bergbaustädtchen bei Tag nicht gerade zu einem Bijou. Im Scheinwerferlicht der Nacht allerdings entwickeln die Industrieanlagen im Fördergebiet ihren ganz eigenen, archaischen Reiz.
Wieso sich die Schweizer Band MOUNT ISA nach obgenanntem Ort nennt, bleibe dahingestellt. Tatsache ist, dass man am Quartett aus Bern nicht bloss nächtens Gefallen finden kann: Die Doppel-LP «Wasted Years of Magic» - von der 500 Stück gepresst wurden – hat auch bei Tag betrachtet und gehört musikalisch einiges zu bieten und ist überdies von bester Aufnahmequalität. (Für die Review stand die digitale Version des Albums zur Verfügung.)
MOUNT ISA präsentieren hier mit dreizehn Songs und sechs eingestreuten Jam-Fragmenten ein äußerst abwechslungsreiches und eigenständiges Werk, weit weg von einem Stoner Rock der abgedroschenen Art. Wenn stilmäßige Bezüge geknüpft werden müssten, dann beispielsweise in Richtung «Orange Goblin», «Yawning Man» oder «All Them Witches». Unter den allesamt selber geschriebenen Songs gibt es einiges an Hörenswertem zu entdecken.
Das Instrumentalstück «Motivational Speech» zum Beispiel: Repetitiv, nicht monoton aber, mit zuweilen überraschenden, schönen Parts der zwei gleichberechtigten Gitarristen. Oder das niedertourige «Garden Of Lust (Part 1)», zäh fließend, ausladend, und ja, dem Titel irgendwie gerecht werdend. Das zugänglichste Stück ist «Golden Angel, Cylinder Lady And Little J.B.» - locker, luftig und in radiotauglicher Länge… Stoner Pop, wenn es denn so etwas gäbe.
Das Quartett spielt solid und verbindlich, präzis, nie breiig – auch dann, wenn die Strukturen mal weniger eindeutig sind («Versöhnung» oder «Greenie»). Ebenso erfreulich ist, dass Dynamik für MOUNT ISA kein Fremdwort ist – und dass man dies bereits im Auftaktstück «Fading Beast» zu hören bekommt.
FAZIT: Auch wenn «Wasted Years of Magic» als Ganzes nicht über die Eigenschaften verfügen mag, die Stoner Rock-Szene aus den Angeln zu heben: MOUNT ISA zeigen in ambitionierter und überzeugender Weise, wie mit Können und Begeisterung in der Szene nach wie vor Ausrufezeichen gesetzt werden können.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.08.2022
David Oberli
Jo Brechbühl
Jo Brechbühl, Gianluca Zeraschi-Durand
Micha Weiss
Jo Brechbühl (Didgeridoo)
Serpentine Records
75:57
11.01.2022