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Mystery: 1992: The Lost Tapes EP

Stil: Melodic Progressive Rock

Cover: Mystery: 1992: The Lost Tapes EP

Bevor 1995 der erste Longplayer erschien, veröffentlichten MYSTERY 1992 eine auf 500 Exemplare limitierte EP, die jetzt zum dreißigsten Geburtstag wieder ausgegraben, klanglich aufgepeppt und als „1992: The Lost Tapes EP“ erneut veröffentlicht wurde.

Konstantes Mitglied ist über die Jahrzehnte lediglich Gitarrist Michele St-Père, der Kopf der kanadischen Band, geblieben. Der Sound hat sich allerdings nur unwesentlich verändert. Die „Lost Tapes“ bieten ein Quartett properen melodischen Rocks, bei dem der (Neo-)Prog-Anteil lediglich das Salz in der Suppe ist. Dabei einen Hauch PINK FLOYD, ALAN PARSONS oder JADIS versprühend. Vertrackt oder verstiegen wird es zu keiner Zeit.

Im Midtempo wird geschmeidig gerockt, JOURNEY grüßen vom Straßenrand. Ecken und Kanten werden elegant umschifft, melodiöses Schwelgen herrscht vor. In der tränendrückenden Ballade „In My Dreams“ ist noch Raymond Savoie am Mikrofon, bei den restlichen Songs übernimmt sein Bruder Gary den Gesang. Eine Position, die er für ein gutes Dezennium innehat, bevor YES-Interims-Sänger Benoit David ihn ablöst.

Klangtechnisch haben Michel St-Père und Richard Addison hervorragende Arbeit geleistet. Die Musik klingt druckvoll und nuanciert, Rauheit wird, dem Habitus der Band angemessen, vermieden, ohne dass es allzu kleistrig wird. Die Songs sind knackig, die Soli ökonomisch, handwerklich gibt es nichts zu meckern. Das flotte „Cinderella“ ist mit knapp siebeneinhalb Minuten das Magnum Opus der EP. Dass die Tracks glatt wie Kieselsteine und im guten wie schlechten Sinne zeitlos sind, liegt in der Natur des gewählten Stils. Erwachsener Melodic-Rock ist halt nichts für entdeckungslustige Freigeister. MYSTERY haben ihren Staus Quo früh gefunden, exzellent ausgeführt und über Jahrzehnte aufrechterhalten.

FAZIT: MYSTERY stellen bereits ganz früh klar, wohin die Reise geht. Die EP toppt das kommende Longplay-Debüt sogar. Die Melodien sind griffig, die Stücke werden fokussiert und dynamisch vorgetragen. Das ist Wohlfühl- und Kerzenscheinmusik, die niemand wehtut, sondern lieber behaglich Süßholz raspelt. Das Tempo nimmt zwar manchmal zu, aber kein krummer Ton stört das holdselige Gefüge.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.09.2022

Tracklist

  1. Heart of Stone
  2. Never Close Your Eyes
  3. In My Dreams
  4. Cinderella

Besetzung

  • Bass

    Richard Addison

  • Gesang

    Gary Savoie, Raymond Savoie

  • Gitarre

    Michel St-Père

  • Keys

    Benoit Dupuis

  • Schlagzeug

    Stephane Perreault

Sonstiges

  • Label

    Unicorn Digital/Just For Kicks

  • Spieldauer

    20:55

  • Erscheinungsdatum

    02.09.2022

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