Mit "Goddess" erfinden sich die dänischen Todeblei-Gratwanderer SLAEGT bis zu einem gewissen Grad neu.
Das eröffnende ´Deceived By An Amathyst´ verbreitet genauso wie später auch das noch eingängigere ´Fealty, Thunder Whip´ mit monoton treibendem Groove und Saxofon (!) sowohl Space-Rock- als auch Post-Punk-Atmosphäre. Die Gitarren sind allenfalls angezerrt, der Bass lässt sich innerhalb der etwas kühlen Abmischung plastisch verorten, und das spürbar lockere Feeling atmet den Geist einer schweißtriefenden Live-Performance.
Außerdem entsteht der Eindruck, die Musiker würden sich relativ ungezwungen die Zügel schießen lassen, denn Längen sind im Laufe nahezu aller Songs gewollt, aber beileibe nicht langweilig zu hören. Vielmehr verstärken sie das unberechenbare und unberechnete Bild von "Goddess", dessen elfminütiges Titelstück (eingeleitet von dem Orgel-Akustikgitarren-Zwischenspiel ´Stabat Bloody Stabat´) übrigens ein kleines kompositorisches Meisterwerk darstellt.
Hier verzahnt das Quartett unverzerrt folkloristische Momente mit gleich mehreren Lektionen Heavy-Metal-Geschichte zu einem betörenden Ganzen, dem nichts Ebenbürtiges mehr folgen kann - jedenfalls nicht auf diesem Album. ´Kiss From A Knife´ hingegen ist als Black-Metal-Getrümmer der nur scheinbar chaotischen Sorte bemerkenswert, denn der furios übersteigerte Duktus, den SLAEGT hier an den Tag legen, hat überall auf dem Album Methode. Die Dänen spielen eigentlich nicht am Limit ihrer Möglichkeiten, sondern lassen es der Steigerung ihrer musikalischen Intensität zuliebe nur so wirken.
Das atemlose Heisern von Frontmann Oskar J. Frederiksen wird der facettenreichen Musik nicht gerecht, erzeugt aber ein eigenes und eigensinniges Flair, anhand dessen man SLAEGT rasch wiedererkennt. Anspieltipp: ´Hunt Again´ mit seinem breitbeinigen Rock´n´Roll-Solo zu thrashigem Gehoppel.
FAZIT: Mit einem Death-Metal-Freischwimmer-Album wie "Goddess" im Gepäck werden SLAEGT künftig viel zu sagen haben, wenn es um die Evolution in vielerlei Hinsicht extremer Musik geht. Wer sich düster staubiges Gothic-Flair im Verbund mit skandinavischem 1990er-Geklirr sowie Akkorden und Leads in Voivod-verdächtiger Schräglage vorstellen kann, sollte hier ein bis zwei Ohren riskieren und sich verzaubern lassen. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/f2c654cda9a04506be19a7514b88bdff" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.03.2022
Ole Bergholz
Oskar J. Frederiksen
Oskar J. Frederiksen, Anders M. Jørgensen
Adam “Ccsquele” Nielsen
Century Media / Sony
40:13
18.03.2022