Nachdem Sänger Björn kommerzielle Höhenflüge mit The Night Flight Orchestra erlebt hat, wirken SOILWORK noch eingängiger und Melodie-verliebter, und Fans früherer Stunden fragen sich bestimmt, wann die beiden Bands nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Nach "Verkligheten" (2019) ist "Övergivenheten" nämlich nicht nur das zweite Album der einstigen Melodic-Death-Metaller mit schwedischem Titel, sondern auch wieder sehr stark vom Sound des erfolgreichen AOR-Nebenprojekts ihres Frontmanns geprägt.
Man nehme beispielsweise das siebenminütige ´Nous Sommes La Guerre´, das abgesehen von seiner subtilen Düsternis und einem frickeligen Solo fast genau so auf einem TNFO-Album stehen könnte, oder das leichtfüßige ´Valley Of Gloam´, das ebenfalls reinrassigen Melodic Rock darstellt. Und ´Death, I Hear You Calling´ mag ein paar aggressivere Vocals enthalten, kreist aber gleichsam um ein Hook, das für die Arenen der Achtziger geschaffen zu sein scheint. Mit dem neuen Bassisten Rasmus Ehrnborn, der auch bei TNFO spielt, dürfte dies wenig zu tun haben.
Demgegenüber stehen das straight treibende Titelstück zu Beginn, dessen Refrain sofort ins Ohr geht, das knallhart thrashende ´Is It In Your Darkness´, und die schiere Raserei ´This Godless Universe´, nicht zu vergessen SOILWORK-typische Kompakt-Hits wie das elegische ´Electric Again´ (mit Blastbeat-Parts wohlgemerkt), das nordisch klirrende ´Dreams Of Nowhere´, das druckvoll walzende ´Vultures´ oder das hymnische ´Harvest Spine´
Einschließlich zweier Zwischenspiele und eines großen Prog-Finales (´On The Wings Of A Goddess / Through Flaming Sheets Of Rain´)) zeugt die mehr als eine Stunde Musik von SOILWORKs unbändiger Kreativität, alldieweil das Sextett seine Songs zu keiner Sekunde überfrachtet. Große Kunst ist das - und nichts weniger erwartet man von dieser Ausnahmeband.
FAZIT: "Övergivenheten" übertrifft seinen Vorgänger und gehört in seiner sagenhaften Vielfalt, die einem leichten Zugang keinesfalls zuwiderläuft, zu den fünf besten SOILWORK-Alben überhaupt. Als solches dürfte es unter Fans zu einem Selbstläufer werden, während vielleicht noch mehr Freunde des Night Flight Orchestra auf die Gruppe anspringen. Sänger Björns Gratwanderung zwischen beiden Acts gelingt jedenfalls bis auf weiteres hervorragend. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/db113de2028440f1aa6bc66113b298f8" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.08.2022
Rasmus Ehrnborn
Björn "Speed" Strid
Sylvain Coudret, David Andersson
Sven Karlsson
Bastian Thusgaard
Nuclear Blast / Believe
65:20
19.08.2022