Ihr letztes Album "Eternal" erschien vor sieben Jahren, doch vermisst hat man STRATOVARIUS offengestanden nicht. Die einstigen Überflieger in Sachen Melo-Metal haben nicht erst mit dem Ausstieg ihres musikalischen Kopfes Federn gelassen, obwohl ihr Stil angenehm entwicklungsresistent war und ist.
Zwar bleiben die Finnen sicherlich eine typisch "fröhliche" Euro-Metal-Kapelle, doch "Survive" trägt bereits aufgrund des thematischen roten Fadens (Überwinden, Überleben…), der sich durch die Texte zieht, subtil finstere Züge. Die schnelleren Nummern mit positiv stimmenden Refrains (´Firefly´) sind nach wie vor etwas, das die Band aus dem Effeff beherrscht, doch "Survive" ist tatsächlich immer dann am stärksten, wenn der Fuß vom Gaspedal genommen wird.
Das hämmernde Titelstück wäre ohne die allzu glatten Produktion unterdessen fast Thrash Metal, auch weil Matias Kupiainen Stakkato-Riffs heraushaut, wie sie Ur-Gitarrist Timo Tolkki nie von der Hand gingen (höre hierzu das knallharte Midtempo-Glanzlicht ´Broken´). Dafür halten sich die neoklassischen Züge, die 2009 mit dem Weggang des Bandgründers nachließen, von früher weiterhin in Grenzen.
Die schon vor längerer Zeit veröffentlichte Single ´World On Fire´ und das in den Strophen vom Bass bestimmte ´We Are Not Alone´ (wie viele Stücke nach diesem Muster hat das Quartett eigentlich mittlerweile?) sind die "Durchrutscher" der Platte, weil man so etwas schon zigmal in ähnlicher Form - und besser - von STRATOVARIUS vernommen hat.
Die Queen-verdächtige Gesangsharmonien im ansonsten kämpferischen Uptempo-Ohrwurm ´Demand´ fallen auf, doch auch dieses Lied ist im Verhältnis zum bombastischen Kurzepos ´´Frozen In Time´ und gegenüber dem elfminütigen Finale ´Voice Of Thunder´ (Prog vom Allerfeinsten voller unberechenbarer Wendungen) vernachlässigbar.
Da auch die drei Tracks davor - ´Glory Days´ (Speed wie zu goldenen "Episode"-Zeiten), ´Breakaway´ (halb sinfonische Power-Ballade) und ´Before The Fall´ (peitschend und melodiös zugleich) überzeugen, zeigen am Ende alle Daumen hoch. Fragt sich nur, warum Keyboarder Jens Johansson so wenig auf "Survive" zu tun hat…
FAZIT: "Survive" ist kurz gesagt das mit Abstand stärkste STRATOVARIUS-Album der Post-Tolkki-Phase der Band. Wer europäischen Power Metal schätzt, kommt 2022 nicht daran vorbei. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/f68cb656f95246f298bdcd843cd9d0a4" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.09.2022
Lauri Porra
Timo Kotipelto
Matias Kupiainen
Jens Johansson
Rolf Pilve
earMusic / Edel
55:23
23.09.2022