Welch faustdicke Überraschung war dieses Album des ROXY MUSIC-Sängers BRYAN FERRY für alle ROXY MUSIC-Fans der ersten Stunde, als es 1994 erschien. Denn unglaublicherweise vereinten sich auf einigen der Songs doch tatsächlich die ROXY MUSIC-Urgesteine der ersten Stunde – Ferry und BRIAN ENO sowie PHIL MANZANERA. Das kam einem Wunder gleich, auf das man immerhin schon sieben Jahre nach dem letzten Ferry-Solo-Album und 20 Jahre nach ENOs ROXY MUSIC-Ausstieg im Jahr 1973 warten musste. Und da sich Ferry anno 2023 aus Anlass seiner 50-jährigen Solo-Karriere nicht nur mit einem Wunder zufriedengibt, schiebt er bei dieser remasterten Deluxe-Doppel-Vinyl-Ausgabe von „Mamouna“ gleich noch ein zweites Wunder hinterher: Das bis dato unveröffentlicht gebliebene „Horoscope“, an dem Ferry parallel zu „Mamouna“ arbeitete, sich dann aber doch mehr auf <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2022/Bryan-Ferry/Taxi--Limited-Edition-Yellow-Vinyl/" target="_blank" rel="nofollow">seine Cover-LP „Taxi“</a> konzentrierte.
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Besonders der extrem starke Einfluss von BRIAN ENO mit all seinen Sound Treatments ist auf diesem Pferde-Album unüberhörbar, sodass man häufig den Eindruck gewinnt, man hätte sich auf einem seiner Solo-Alben wie <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2017/Brian-Eno/Another-Green-World-1975--Deluxe-Ltd-Edition-Gatefold-Vinyl-in-45rpm-Half-Speed-Remaster/" target="_blank" rel="nofollow">„Another Green World“</a> oder <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2017/Brian-Eno/Before-And-After-Science-1977--Deluxe-Ltd-Edition-Gatefold-Vinyl-in-45rpm-Half-Speed-Remaster/" target="_blank" rel="nofollow">„Before And After Science“</a> verirrt.
Selbst in den Ferry-Konzerten, die unmittelbar der „Mamouna“-Veröffentlichung folgten, wurde dieser sphärische Einfluss unverkennbar auch auf der Bühne umgesetzt.
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Allerdings beschränkt sich BRYAN FERRY größtenteils auf die ganz ruhigen, sehr verträumten bis hin zu extrem melancholischen Töne voller Romantik, aber eben mit vielen ENO-Soundscapes und elektronischen (Stereo-)Effekten. In diesem Sinne verblüfft schon der spannende Stereo-Start ins Album.
An seinem neunten Studio-Album mit eigenen Songs werkelte Ferry insgesamt sieben Jahre – wovon sechs Jahre lang eigentlich klar war, dass dieses Album den Titel „Horoscope“ tragen sollte. Das wurde aber kurz vor seiner Veröffentlichung verworfen, womit wir bei der zweiten LP der so besonders wertvoll gewordenen 2023er-Deluxe-Vinyl-Ausgabe wären, denn die enthält nun erstmals auch die Aufnahmen, welche während der „Mamouna“-Studio-Sessions zusätzlich entstanden, worunter wahrhafte Goldstücke enthalten sind, die ihren Höhepunkt für alle frühen ROXY MUSIC-Fans in dem Zehnminüter „Mother Of Pearl“ - samt herrlich atmosphärischer Saxophoneinlage - von dem 1973er-Album „Stranded“ (dem ersten ohne ENO) finden.
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Diese zweite LP bekommt nun wirklich den Titel „Horoscope“ und ein eigenes LP-Cover (als bedruckte Innenhülle in der Doppel-LP im Gatefoldcover zu entdecken) verpasst. Aber auch hier bleibt die Grundstimmung und die textliche Romantik-Tiefe – alle Texte sind ebenfalls auf den LP-Innenhüllen zu finden – erhalten, sodass die Parallelen der Entstehungszeit offensichtlich auch in der Musik zu hören sind.
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FAZIT: Aus Anlass des 50. Jubiläums von BRYAN FERRYs Solo-Schaffen erscheint ein besonderes Album, das zugleich unter Mitwirkung der ROXY MUSIC-Musiker der ersten Stunde – BRIAN ENO und PHIL MANZANERA – nach einer siebenjährigen Pause im Jahr 1994 entstand und zudem eigentlich unter einem anderen Titel veröffentlicht werden sollte. „Mamouna“ gibt’s nun endlich auf Vinyl, in höchster Sound-Qualität von Bob Ludwig gemastert. Zudem aber enthält das Album als zweite LP das bis dato unveröffentlichte Studio-Album „Horoscope“, welches parallel zu „Mamouna“ entstand, dann aber wegen dem „Taxi“-Coverversionen-Album liegenblieb, was durchaus verblüffend ist, denn die Qualität auch dieses Albums entspricht der von „Mamouna“ rundum. Ein echtes Goldstück auf Vinyl, das in den schillerndsten Klangfarben leuchtet.
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<b>PS:</b> Neben der Vinyl-Deluxe-Ausgabe erscheint auch noch ein 3-CD-Deluxe-Pack, das neben „Mamouna“ und „Horoscope“ eine CD namens „Sketches“ enthält. Hier entdeckt man frühe Versionen der Songs, darunter Solo-Keyboard-Performances von Ferry, die einen einzigartigen Einblick in seine Arbeitsweise zu bieten haben. Außerdem sind weitere Auftritte von Musikern zu hören, mit denen Ferry im Laufe seiner Karriere zusammengearbeitet hat.
<i>In einer weiteren Review zu genau dieser 3-CD-Deluxe-Ausgabe wird demnächst Kollege Herpell darauf eingehen.</i>
Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.11.2023
Nathan East, Pino Palladino, Guy Pratt
Bryan Ferry
Neil Hubbard, Nile Rodgers, David Williams, Jeff Thall, Phil Manzanera, Chester Kamen, Robin Trower
Bryan Ferry, Brian Eno
Steve Ferrone, Andy Newmark
Brian Eno (Sound Treatments), Maceo Parker (Saxophon), Luis Jardim, Luke Cresswell, Steve Scales (Percussion), Carleen Anderson, Yannick Etienne, Jhelisa Anderson, Fonzi Thornton, Paul Johnson, David Williams (Harmoniegesang)
BMG
86:35
17.11.2023