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Löwenzahnhonig: Löwenzahnhonig

Stil: Dream Pop, Folk, Instrumental

Cover: Löwenzahnhonig: Löwenzahnhonig

LÖWENZAHNHONIG?
Na klar, der schmeckt und verarscht zugleich mit seinem Namen, da jeder anfangs glaubt, den haben die lieben Bienchen fleißig zusammengetragen und ein Imker hat ihn dann zum zuckersüßen Aufstrich geschleudert.
Pustekuchen. Oder besser Pusteblume…
LÖWENZAHNHONIG ist aus Bienensicht eine echte Mogelpackung, denn er ist nur ein süßer Sirup, den man ohne jegliche bienenfleißige Hilfe recht einfach aus Löwenzahn-Blüten, einer Unmenge Zucker, Wasser und Zitrone herstellen kann.
Oder LÖWENZAHNHONIG ist ein Schweizer Musik-Dreiergespann, das unter diesem Namen gerade seine erste LP veröffentlicht hat, die zum Glück absolut keine Mogelpackung geworden ist, sondern eine spannende Mixtur aus gitarrenorientiertem Dream-Pop, Folk-Kraut und entspannten instrumentalen Welten, die durchaus zuckersüß sein können, so als würden wir drei fleißigen Musik-Bienen auf einer schönen Blume beim Noten-Pollensammeln zusehen. Der erholsame Soundtrack zum Bienenflug, der einerseits entspannend und andererseits traumwandlerisch schön klingt. Zudem rundum natürlich und beruhigend, ohne dabei langweilig zu werden.

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Man mag sich gerne über den Namen des Trios streiten, auch weil man, wenn man sich auf die Suche nach ihnen im Netz begibt, garantiert kaum fündig, dafür aber mit Rezepten und Honig-Kaufangeboten überschüttet wird.
Ihre Musik allerdings ist unstrittig gut, denn die drei Schweizer, die sich hinter diesem zart schmelzenden Bandnamen verstecken – <a href="https://faibaba.com/" target="_blank" rel="nofollow">FAI BABA</a>, <a href="https://www.longtalljefferson.com/" target="_blank" rel="nofollow">LONG TALL JEFFERSON</a> und <a href="https://www.paulmaerki.ch/" target="_blank" rel="nofollow">PAUL MÄRKI</a> – sind echt angesagte Musikgrößen, wobei Märki sogar der ehemalige Bassist der bekannten BLACK SEA DAHU, einer Schweizer Indie-Folk-Band, war.

Der Schweizer LÖWENZAHNHONIG wirkt musikalisch jedenfalls ähnlich bewusstseinserweiternd wie gewisse Pilze und Kräuter, die nachhaltig berauschende Wirkungen haben. Glücklicherweise gibt es in diesem Musik-Falle aber keine unangenehmen Nebenerscheinungen, sondern das anheimelnde Gefühl totaler Entspannung.

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Hier kann es sogar zu Suchterscheinungen kommen, sodass man wiederholt auf seinem Plattenteller das süße Musikgemisch rotieren lässt, das übrigens unter Kopfhörern eine besonders intensive Wirkung hinterlässt. Und selbst wenn man dabei entschlummern sollte – ein schöner Traum wird auf diese Klänge garantiert folgen.

Wer sich nun fragt, wonach „Löwenzahnhonig“ klingt oder woran diese Musik erinnern könnte, der findet hier eine Antwort: Zuallererst an „Dragonfly“ (1971) und „Albatross“ (1968) von PETER GREEN'S FLEETWOOD MAC, atmosphärisch aber auch an die „Samba Pati“ von SANTANA oder noch eher an die „Katzenmusik“ und „Sterntaler“ eines MICHAEL ROTHER und für alle mit DDR-Musikerfahrung an die <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2022/Ralf-Kothe/Guitar-Ballads-I--II--Regendurst--Die-andere-Seite/" target="_blank" rel="nofollow">„Regendurst“-LP von RALF KOTHE</a>, der besonders die Ostdeutschen mit der gleichnamigen und einer weiteren Gitarren-Balladen-LP beglückte. Gitarren-Balladen – ein passender Begriff auch für LÖWENZAHNHONIG, nur dass man ihn noch um Synthesizer und harmonisches Schlagzeugspiel erweitern muss. In erster Linie aber schwebt unangefochten der besagte GREENsche FLEETWOOD MAC-'Albatross' über der gesamten Platte und lädt zum Verweilen, Träumen oder schon am frühen Morgen zu einem entspannten Start in den Tag ein. Selbst wenn aus dem Albatros bei LÖWENZAHNHONIG eine „Moewe“ wird, so schweben beide in Drachenflug-Manier sowie im gemeinsamen Einklang über die zwei schwarzen Vinyl-Rillen.

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Und dass einer der drei Musiker (Fai Baba) auch noch hervorragend pfeifen kann, erfahren wir mit „Train“ zu Beginn der LP-B-Seite, dem insgesamt ungewöhnlichsten Instrumental-Stück, welches sich auch von seiner Titelgebung her als einziges nicht auf etwas Natürliches, sondern Technisches bezieht.
Selbst für solche Überraschungen ist dieser LÖWENZAHNHONIG eben gut.

FAZIT: Süß und cremig ist er, der LÖWENZAHNHONIG. Und ohne zu übertreiben, klingt auch die Musik des Schweizer Instrumental-Trios LÖWENZAHNHONIG (Fai Baba, Long Tall Jefferson und Paul Märki) ähnlich schmackhaft und süßlich, nicht aber schleimig oder schmalzig. Da kommen die schönsten Erinnerungen an einen weltberühmten Vogel auf, den PETER GREEN 1968 in den Musik-Himmel steigen ließ und der dort noch immer erhaben seine Bahnen zieht. „Löwenzahnhonig“ ist eine LP geworden, die von der ersten bis zur letzten Minute ihre musik-atmosphärische Inspiration aus PETER GREENs bzw. FLEETWOOD MACs „Albatross“, einem der bekanntesten Instrumentals aller Zeiten, sowie dem späteren „Dragonfly“ schöpft und auf eine wundersame Weise zu ungemein schmackhaften, traumwandlerisch fließenden LÖWENZAHNHONIG verarbeitet. Entspannung pur oder eben Instrumental-Musik für gewisse (Kuschel-)Stunden.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.11.2023

Tracklist

  1. <b>Seite A</b> (19:04):
  2. Winter Solstice
  3. Löwenzahn
  4. Moewe
  5. Sunnestore
  6. Afternoon Sun
  7. <b>Seite B</b> (20:31):
  8. Train
  9. Moonwalk
  10. Freefall
  11. Rainy Day

Besetzung

  • Bass

    Simon Borer, Paul Märki

  • Gitarre

    Fabian Sigmund, Simon Borer

  • Keys

    Simon Borer

  • Schlagzeug

    Paul Märki

  • Sonstiges

    Fabian Sigmund (Flöte und Chor)

Sonstiges

  • Label

    Inselgruppe

  • Spieldauer

    39:35

  • Erscheinungsdatum

    17.11.2023

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