Das jüngste MORK-Album "Katedralen" (2021) markierte einschließlich der "Überhang"-EP " Den Svevende Festning" aus dem vergangenen Herbst einen großen Vorwärtsschritt für die "Band des umtriebigen Multi-Instrumentalisten und Podcasters Thomas Eriksen der nun vorliegende Nachfolger folgt der eingeschlagenen stilistischen Richtung weiter, ohne bemerkenswerte Änderungen zur Diskussion zu stellen. Einige Songs wirken wie Pendants bereits bekannter früherer Stücke, sind aber beileibe keine minderwertigen Abklatsche.
Was die inhaltliche Ebene betrifft, jongliert der für Konzerte um drei weitere Musiker verstärkte Protagonist auf "Dypet" (Deutsch: "die Tiefe") mit gängigen schwarzmetallischen Tropen von Hass und Tod über Menschenhass und den Teufel im Inneren des Selbst. Dazu transferiert er auf leidlich originelle Weise H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos gewissermaßen an die norwegische Küste - stimmungsvoll illustriert im bereits dritten David-Thiérrée-Artwork für MORK - und stellt statt der Großen Alten den Draugr in den Mittelpunkt des Geschehens, eine im skandinavischen Volksglauben untote Wiedergänger-Figur.
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Mehr oder weniger neu ist dann aber doch etwas - eine hymnenhafte und wehmütige Note, die sich von der ersten Hälfte des Openers ´Indre Demoner´ (gegen Ende wirds gespenstisch aggressiv) über das ohne Brechungen melodische ´Forfort Av Kulden´ und Phasen des siebeneinhalb epische Minuten dahinschreitenden ´Et Kall Fra Dypet´ bis zum abschließenden Gänsehaut-Stück ´Tilbake Til Opprinnelsen´ erstreckt. Demgegenüber stehen in meistens simpel groovende Songs verpackte MORK-Stilmittel: Monotonie (´Svik´) hypnotisierende Bassläufe (´Bortgang´) und neben ganz gezielt eingesetzten Blastbeats unwiderstehliche Kopfnicker-Parts (´Avskum´).
Nachdem auf dem letzten Album Nocturno Culto (Darkthrone, Sarke) als Gaststimme zu hören war, gibt sich nun der ehemalige Kvelertak-Frontmann Erlend Hjelvik in ´Hoye Murer´ ein Stelldichein. Falls man Eriksen eines ankreiden möchte, unterstellt man ihm hier Kalkül, denn dieser Track hat tatsächlich das Potenzial, eine breitere Hörerschaft als nur Die-Hard-Schwarzwurzeln zu erreichen.
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FAZIT: "Dypet" ist ein spürbar sorgfältig komponiertes, aber angemessen räudig und aus voller Überzeugung herausgerotztes Black-Metal-Album. MORKs jüngste (sechste) LP reflektiert Thomas Eriksens stetige Evolution als Songwriter in sowohl atmosphärischen als auch grimmigen Tönen und geht als früher Teilnehmer (unter anderen starken Acts wie Tulus) im Kampf um den besten True-Norwegian-Black-Metal-Longplayer des Jahres 2023 ins Rennen. <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b028bbd69e6e4750ad952a8bba24a348" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.03.2023
Thomas Eriksen
Thomas Eriksen
Thomas Eriksen
Thomas Eriksen
Peaceville / Edel
47:51
24.03.2023