Roman Leykam möchte sich mit „Healing Place“ auf persönliche Erlebnisse und Beziehungen, auf Rückbesinnung, Selbstfindung und Ausblicke in die Zukunft „fokussieren“. Angesichts desfünfundsiebzigminütigen Albums möchte man sagen: Es sieht nicht gut aus für die Menschheit, denn sie befindet sich in einem Stadium der asketischen Lethargie, existierend mit dem Versuch, es zu versuchen, immer und immer wieder, um am Ende im Nirgendwo zu versanden. Oder besser, zu verhallen.
„Healing Place“ ist voller karger, spröder Klänge, erzeugt von Gitarren in diversen Verfremdungszuständen, klaviernahen Anschlägen und einem Gitarrensynthesizer, der seine Herkunft als Saiteninstrument ziemlich gut verbirgt. Die Musik schwillt an und ab, tröpfelt, quietscht und zieht sich zäh wie erkaltende Lava durch jenen heilenden Ort, der dort liegt, wo sich Anleihen an die Musique concrete und Brian Enos kriechende Ambient-Sounds „Gute Nacht“ sagen. Obwohl der untere Drehzahlbereich nie verlassen wird, strahlen die Tracks kaum Behaglichkeit aus, sind kein Soundtrack zum wonniglichen Zurücklehnen.
Hier entsteht etwas und vergeht sofort wieder, ein Spannungsaufbau mit Höhepunkten oder Explosionen bleibt aus, die bloße Existenz der Klänge muss reichen. Wenn man sich drauf einlässt, kann das einen schwerblütigen Sog erzeugen – oder bloße Langeweile angesichts eines stetig dahinströmenden synthetischen Geblubbers.
FAZIT: Der „Healing Place“ ist keine Wohlfühloase zur relaxten Gehörmassage. Roman Leykam pflügt sich in atemraubender Langsamkeit durch experimentelle, abgehackte, brüchige, nur kurz fließende Soundcluster, die oft wie das musikalische Äquivalent zu einem Treppenhausgemälde M.C. Eschers wirken. Das hat seinen leicht horrormäßigen Reiz - wenn man bereit ist, auf eine Reise in eine unwirtliche Klanglandschaft freundlich eingeladen zu werden. Jedem Anfang wohnt ein Anfang inne. Mehr ist da nicht. Obwohl das Ende naht
Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.09.2023
Roman Leykam
Roman Leykam
Frank Mark Arts
75:44
07.04.2023