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Reviews

Rome: Gates of Europe

Stil: Neo-Folk, Post-Industrial

Cover: Rome: Gates of Europe

Angesichts der überpräsenten Ukraine/Russland-Thematik in den Medien und der Tatsache, dass alles und jeder seine Meinung zu diesem Thema ungefiltert in den Äther sog. Informationen kotzen kann, wirkt „Gates Of Europe“ zunächst eher wie ein weiteres Künstlerprojekt, das mit Gewalt politisch aufgeladen wurde.

Bei dem Versuch sich der Thematik zu enthalten und den Fokus auf die Musik zu richten, entpuppt sich das Album aber als interessant gemachtes Werk zwischen Neo-Folk Klängen und aufreibendem Industrial, der aber eher unterschwellig zur Geltung kommt als einem direkt ins Gesicht zu springen. Auch das dunkle Timbre von Mastermind Jerome Reuter weiß zu gefallen und passt gut zum Ausdruck, den ROME vermitteln wollen. Aber das Album erfüllt insofern auch seinen Zweck, als dass sich die offensichtliche Pro-Ukraine-Haltung kaum ignorieren lässt.

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Inwiefern es von Tatsachenignoranz zeugt, die allzu patriotische „Slava Ukraini“-Haltung, wie sie u.a. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brigade_Asow" target="_blank" rel="nofollow">die Brigade Asow</a> (ukrainische Ultra-Nationalisten mit zweifelhaftem Ruf einer rechtsextremen Tendenz), als offensichtliche Kampfparole skandiert, ist zwar fraglich. Eine neutrale Sichtweise geht aber sicher anders. Nun muss Kunst nicht neutral sein, sie soll vielmehr Position beziehen. Die Krux am vorliegenden Album ist aber, dass die Thematik eben hochaktuell und auf sämtlichen Seiten mit subjektiver Meinung durchsetzt ist. Was die Kunst letztendlich in ein Licht rückt, in dem sie als Ausdruckswerk eigentlich nicht sein sollte: Dem Feld politischer Einflussnahme, bzw. Suggestion.

Um hier aber mal einen Punkt zum Thema zu machen: Letzten Endes ist es auch hier so, wie in der allgemeinen Tagesdiskussion. Die Meinungsfronten sind mittlerweile derart verhärtet, dass im Grunde nur die Hoffnung bleibt, dass die Menschen (unabhängig vom Ausgang der Situation vor Ort) irgendwann doch wieder auf einem neutralen Level miteinander kommunizieren können, ohne dass eine evtl. Sympathie oder Nicht-Sympathie für ein Land, eine Partei o.ä. dazu führt, dass sich wenigstens verbal die Augen ausgekratzt werden.

Zur Musik: Die ist ein Klangbecken voller Folk-Sounds und dem ein- oder anderen Querverweis zur Industrial-Szene. Das dunkel-warme Timbre von Jerome Reuter klingt angenehm und hat das Potenzial, den Hörer sehr weich zu betten. Dieses Gefühl wird lediglich von den diversen Einspielern ukrainischer Dialoge und Schlachtrufe unterbrochen.
Die beiden klanglichen Pole dieses Albums reichen von reduzierten Folk-Balladen wie „The Ballad of Mariupol“ bis hin zu stampfendem Industrial („Gates of Europe“). Allerdings reiben sich diese beiden Eckpunkte weniger aneinander, als zunächst gedacht und gehen vielmehr eine passende Symbiose ein, wodurch das Album vom ersten bis zum letzten Ton rund und ausgeglichen wirkt.

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FAZIT: Der Knackpunkt, der zwar bewusst gewählt wurde, aber eben doch der Aufreger von „Gates Of Europe“ ist, bleibt die offensive Parteiergreifung, die den künstlerischen Ausdruck von ROME leider untergräbt. Sollte der Hörer aber in der Lage sein, Text und Musik voneinander zu trennen, dann ist dieses Album, wenigstens aus musikalischer Sicht, durchaus interessant und gut gemacht.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.08.2023

Tracklist

  1. Gates of Europe
  2. The Death of a Lifetime
  3. Yellow and Blue
  4. How came Beauty against this Blackness
  5. Eagles of the Trident
  6. Whom the Gods wish to destroy
  7. Our Lady of the Legion
  8. Marauder
  9. The Black Axis
  10. The Ballad of Mariupol
  11. Going Back to Kyiv
  12. The Brightest Sun
  13. Olenivka Rain
  14. Archives of Silence

Besetzung

  • Bass

    Tom Gatti

  • Gesang

    Jerome Reuter

  • Gitarre

    Jerome Reuter

  • Keys

    Jerome Reuter, Tom Gatti

Sonstiges

  • Label

    Trisol Music Group

  • Spieldauer

    50:33

  • Erscheinungsdatum

    25.08.2023

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