Laut Internetübersetzer bedeutet „Brefjære“ so viel wie „Gletscherquelle“. Kein schlechter Titel für Musik, die sich in den filmischen Weiten des Post-Rock bewegt. Eine gewisse Naturverbundenheit ist in diesem Genre keine Seltenheit und doch schaffen es die Norweger von SPURV, die Gegensätze der sie umgebenden Natur in packende, cineastische Musik zu transferieren.
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Das Album wirkt vielfach orchestral inszeniert, auch dann, wenn Instrumente wie Posaune oder diverse Streicher nicht die Führung übernehmen.
Der Klang brandet auf und ab, dehnt sich in expansive Weiten aus und suggeriert damit Bilder von schroffer, aber doch schöner Natur.
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Gleichsam liegt in dieser Breitwand-Inszenierung eine erkennbare Sehnsucht nach Frieden.
In gewisser Weise fühlt sich der Hörer wie ein Wanderer auf einem Bergpass. Auf der einen Seite ragt der massive Fels meterhoch in den Himmel, die andere Seite fällt steil ab. Der Wind pfeift, Vögel ziehen ihre Kreise und der Weg voran scheint genauso endlos wie die bereits zurückgelegte Strecke.
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Diesem Gefühl einer intensiven Momentaufnahme liegt sowohl Tragik als auch Hoffnung inne. Denn Stillstand führt in der beschriebenen Situation zum Tod, eine Umkehr wäre ein Eingeständnis des Scheiterns. Was also bleibt, ist der nächste Schritt in Richtung Ziel, ein weiterer Schritt vorwärts.
Diese Gefühle von innerer Anspannung, aber auch von Hoffnung und innerem Antrieb werden u.a. im zehnminütigen „Til en ny vår“ mit Hingabe vertont. Nach einem sanften Einstieg mit gezupfter Gitarre, schwillt der Song langsam an, baut sich wie der beschriebene Weg immer weiter auf, offenbart neue Feinheiten und emotionale Facetten, die letztendlich in ein melancholisches wie hoffnungsvolles Crescendo münden, dem verspielte Melodik auf dem Fuße folgt.
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Da wirkt das andächtige „Å vente er å endre“ fast wie eine tief persönliche Feier dieser Ankunft. Der Gesang klingt intim und doch sehr licht, wohingegen „Urdråpene“ mit dräuendem Groove voran marschiert. Die Bläser sorgen für zusätzliche Opulenz und erzeugen ein ursprüngliches Gefühl, das die zuvor exerzierten Naturbilder mit kräftigem Wind umweht.
Turbulent, unstet und doch wunderschön entwickelt sich die Musik in bester Post-Rock Manier zu filmischer Größe und findet ihr Ende in „Din pust fra stein“, ein mehrstimmiges Gesangwerk, das wie ein Choral auf die Schönheit der Natur wirkt. Ein passender Abschluss zu einem schönen Albums.
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FAZIT: SPURV sind geschickt darin, Bilder und Szenerien vor dem geistigen Auge des Hörers aufleben zu lassen und machen damit dem Anspruch des Post-Rock-Genres alle Ehre. Allerdings ist „Brefjære“ kein stures Schaulaufen von Genre-Finesse, sondern eher vertonte Naturliebe. Die Atmosphäre der Musik trägt den Hörer hin zu zerklüfteten Landschaften, zeigt ihm aber auch sanfte Orte der Schönheit und der Ruhe. Dazwischen entpuppt sich die Musik als facettenreiche Klangreise, die hier und da auch Überraschungen bereithält. (Nicht nur) Für Post-Rock Fans eine Empfehlung wert.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.10.2023
Hans-Jakob Jeremiassen
Gustav Jørgen Pedersen
Gustav Jørgen Pedersen, Herman Otterle, Eirik Ørevik Aadland
Simon Ljung
Simen Eifring (Posaune)
Pelagic Records
45:16
22.09.2023