Komplexe Instrumentalmusik birgt ja immer mal das Risiko, sich in sich selbst zu verlieren. Also viel weniger in Songs oder Kapiteln zu funktionieren und dafür eher eine Aneinanderreihung von Fingerübungen und krummen Takten zu sein.
STEPHAN THELEN tappt auf „Fractal Guitar 3“ erfreulicherweise nur bedingt in diese Falle. Denn erstens nimmt der Titel ja schon ein wenig von der Idee dieses Albums vorweg und zweitens wirkt die Musik letztendlich viel weniger einschläfernd als es zunächst scheint.
Natürlich wird hier trotzdem das kleine 1x1 komplexer, oder wenigstens kopflastiger, Instrumentalmusik abgearbeitet. Aber die Musiker schaffen es relativ gut, den Hörer bei Stange zu halten, auch weil sie sich nie zu sehr auf einem Motiv ausruhen, aber ebenso wenig in zu abstruse Griffbrett-Irrungen abgleiten.
Hier fließt doch alles ineinander und miteinander. Dabei wird mancher Part zwar etwas zu ausgiebig zelebriert, aber unterm Strich ergibt sich ein konsistentes Bild der musikalischen Vision dieses Albums.
Allerdings taugt das Gehörte mitnichten als Hintergrundbeschallung. Denn dabei verkommt es genau zu jenem nichtssagenden Rauschen, aus dem es bei genauerer Betrachtung doch heraussticht.
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FAZIT: STEPHAN THELEN und seine Heerschar an Gastmusikern schaffen es auf „Fractal Guitar 3“ kopflastige Musik nicht zu verkopft klingen zu lassen. Stattdessen geben sie ihrer eigenen Intuition, aber auch der Intuition des Hörers genug Raum um in die Klänge einzutauchen, anstatt mit (zu) komplexen Ideen zu erschlagen. Sicher nichts für alle Tage, aber doch interessanter als anfangs bei diesem Titel gedacht.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.03.2023
Stefan Huth, Tim Harries
Stephan Thelen, Eivind Aarset, Markus Reuter, Jon Durant, Barry Cleveland, Stefan Huth, Bill Walker
Stephan Thelen, Fabio Anile, Jon Durant, Barry Cleveland, J. Peter Schwalm
Yogev Gabay, Manuel Pasquinelli, Andy Pupato
MoonJune Records
70:59
04.11.2022