Bluesrock ist Musik für den Moment. Die positiven Seiten des Lebens werden in simpler, aber griffiger Musik destilliert. Das aktuelle Album von STEVE HILL macht da keine Ausnahme. Das knallige Cover deutet es an und die Songs bestätigen es: „Dear Illusion“ ist ein Album voller Lebensfreude und emotionaler Bodenhaftung.
Das zeigen nicht nur Songs wie der energisch ansteckende Opener „All About The Love“, der das Leben mit spritziger Positivität feiert. Die Fanfaren auf dem Cover sind auch nicht zufällig dort gelandet: Denn in vielen Songs sorgen die Blasinstrumente für eine beschwingte Stimmung, die ansteckt und Lust darauf macht, das Tanzbein zu schwingen.
<center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/t73bVNYWhRQ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></center>
STEVE HILL fühlt sich aber auch im Funk zuhause, wie er mit „Everything You Got“ beweist. Die Nummer klingt flott und hat einen sofort ansteckenden Groove, der die Glieder freudig zucken lässt. (Voraussetzung ist natürlich, dass man dem Blues und Funk gegenüber nicht komplett feindlich gesinnt ist).
Der Titeltrack wirkt dann ein wenig intimer, kehrt er doch Gefühle wie Sehnsucht deutlicher nach außen. Es könnte aber auch die vertonte Erkenntnis nach der vorherigen Party sein. Ganz nach dem Motto: Auf Eskalation folgt Ernüchterung, der schale Geschmack von abgestandenem Alkohol klebt aber noch hartnäckig im Mund und nach und nach sickern die Eskapaden der letzten Nacht ins Gedächtnis.
<center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/zOgP_yFxeHw" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></center>
Aber es muss weitergehen und unterm Strich ist der eigene Weg ja doch der richtige. Denn solange man seinem Herzen folgt wird am Ende alles gut werden („Follow Your Heart“). Musikalisch werden hier dezente Assoziationen zum Honkey Tonk der ROLLING STONES wach, wohingegen eine Nummer wie „She Gives Lessons In Blues“ nicht grundlos das Genre im Namen trägt.
„Until The Next Time“ wogt zum Abschluss zwischen himmlischen Gefühlen und emotionaler Bodenhaftung hin und her. Das Bläser-Ensemble sorgt für einen feierlichen Touch, der den Song sowohl zum Soundtrack für einen Abschied werden lässt, als auch eine Liebeserklärung an das Leben sein könnte.
<center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/bwf1lzVnVtc" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></center>
FAZIT: STEVE HILL serviert auf „Dear Illusion“ eine breite Farbpalette des Blues, die von Lebensfreude und Partylaune zeugt. Aber genauso richtet der Musiker den Blick nach innen und gibt den intimeren Momenten des Lebens einen Raum. Freunde von vielseitigem Bluesrock, aber auch Funk, machen hier also nichts falsch.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.01.2023
Steve Hill
Steve Hill
Steve Hill, Dimitri Lebel-Alexandre
Steve Hill, Wayne Proctor
Steve Hill (Piano, Mandoline, Mundharmonika), Jacques Kuba Seguin (Trompete), Nacim Brahimi (Saxofon), Gregory Juilliard (Posaune), Benjamin Deschamps (Saxofon), Felicien Bouchot (Trompete), Rocky Laroche (Kontrabass)
No Label Records/Alive
38:02
11.11.2022