Zurück

Reviews

Streetmark: Nordland

Stil: Kraut- und Progressive Rock

Cover: Streetmark: Nordland

Unglaubliche 54 Jahre ist es bereits her, dass sich im Angesicht solch großartiger Prog- und Hardrock-Bands wie ELP, DEEP PURPLE oder PROCOL HARUM und FOCUS in Deutschland die vom Norden begeisterten STREETMARK gründeten und dort irgendwo zwischen TRIUMVIRAT und ELOY einzureihen versuchten, um ihre kräutrige Musik-Mixtur ganz im Sinne ihrer hier benannten Vorbilder und mit der Unterstützung durch das damals angesagte Sky-Label, besonders während ausgiebiger Konzerttouren auf ihr Fan-Volk loszulassen. Und zwar mit großem Erfolg, denn nachdem sie sich ihre harten Live-Sporen verdient hatten, erhielten sie von dem gerade neu gegründeten Hamburger Plattenlabel Sky (Nachdem sie andere Label-Angebote bereits abgelehnt hatten!) die Möglichkeit, ihr Album „Nordland“ als die Nummer 3 der Label-Veröffentlichungen zu platzieren und von dem damals wohl angesagtesten Produzenten Conny Plank in seinem Tonstudio in Neunkrichen aufnehmen zu lassen.
Auch wenn es dieses Sky-Label schon lange nicht mehr existiert, so trat nunmehr das mindestens genauso rührige Sireena-Label an dessen Stelle und beglückt den Kautrock- sowie Progressive-Rock-Musikfreund mit einer gemasterten Version dieses ursprünglich im Oktober 1975 veröffentlichten Debüt-Albums von STREETMARK. Warum aber die missglückten, oft abrupt abbrechenden Übergänge zwischen einzelnen Songs nicht endlich ausgemerzt wurden, bleibt wohl ein Geheimnis. Denn die sind wirklich miserabel und schmälern eindeutig den Hörgenuss der ansonsten soundtechnisch gut klingenden Scheibe aus dem Jahr 1975.

Liebevoll gestaltet gibt’s neben dem Digipak auch gleich noch ein 12-seitiges Booklet mit deutschem Begleittext, der die Geschichte von Band und Album – erzählt von der Keyboarderin Dorothea Raukes – umreißt, mit dazu, in dem wir beispielsweise nicht nur die Begeisterung der Band für den Norden, sondern anscheinend auch Shakespeare erfahren, da sie mit dem wortspielerischen „Amleth Saga“ doch tatsächlich die musikalische Kurzversion von 'Hamlet' vertonen. Ein gewagtes, aber durchaus gelungenes Unterfangen, was für die hohe Qualität der fünfköpfigen Band und ihr Album spricht. Hierbei erwies sich als besonders hilfreich, dass mit dem Gitarristen und der Keyboarderin gleich zwei klassisch ausgebildete Musiker der in Düsseldorf gegründeten Band angehörten, die ihre diesbezüglichen Erfahrungen unüberhörbar in die Musik von „Nordland“ mit einfließen ließen.

In ihren Konzerten warteten STREETMARK damals oft mit einer Vielzahl von sehr interessant interpretierten Cover-Versionen auf. Ein besonders spannendes Beispiel gibt’s dann auch auf „Nordland“ zu bewundern: Eine hart rockende, in Richtung DEEP PURPLE gehende Cover-Version des BEATLES-Klassikers „Eleanor Rigby“. Gewöhnungsbedürftig, aber interessant, weil mutig. Ob's den BEATLES gefallen hätte. Na ja…

Danach geht’s dann gleich mit besagter Hamlet-Geschichte weiter, die in ihren gut sieben Minuten eine feine Progressive-Rock-Nummer geworden ist – mit fetter Orgel und wiederum einigen Purple-Ausflügen, die dann Richtung ELP abdriften und sogar mit dem Gitarren-Solo floydianische Stimmung verbreiten.

Speziell DEEP PURPLE kommt einem übrigens während der Musik-Dreiviertelstunde immer wieder in den Sinn, wenn man STREETMARK folgt, wie beispielsweise in dem Bonus-Stück „Da Capo“ oder bei „Lyster Fjord“, das wiederum nach einem seltsam störenden Übergang zu „Ladoga“ mehr in Richtung ELOY wechselt (eine Stimmung, die bereits mit dem „Nordland“-Intro „Waves And Visions“ überdeutlich angeschnitten wird). Leider gibt es mitunter ein paar Momente auf dem Album, während der der Gesang nicht immer zu überzeugen vermag.

Ansonsten aber gilt, dass dieses Debüt von STREETMARK wieder mal ein großartiges Fundstück für alle krautig veranlagten Musikfreunde geworden ist. Sireena sei dank!

<center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/Z7jSx_n1vXM?si=QfNR-Eg8TaZUkHzj" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></center>

FAZIT: Nach sechs Jahren und jeder Menge Konzerten brach für die 1969 gegründete deutsche Krautrock-Band STREETMARK endlich im Jahr 1975 der Zeitpunkt an, ihr Debüt-Album im Studio von Conny Plank unter dem Sky-Label aufzunehmen. „Nordland“ spielt überzeugend in der Riege so guter Krautrock-Bands wie TRIUMVIRAT oder ELOY eine durchaus beachtliche Rolle, die mit der gemasterten Wiederveröffentlichung des längst verschollenen Albums durch Sireena endlich wieder in den Blick- und Ohrwinkel aller Freunde guten Krautrocks gerückt wird.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.08.2023

Tracklist

  1. = House Of Three Windows =
  2. House For Hire
  3. Green Velvet Curtains
  4. Eleanor Rigby
  5. Amleth Saga
  6. Italian Concert In Rock
  7. Da Capo
  8. = Nordland =
  9. Waves And Visions
  10. Lyster Fjord
  11. Ladoga
  12. Reality Airport

Besetzung

  • Bass

    Wolfgang Westphal

  • Gesang

    Georg Buschmann

  • Gitarre

    Thomas Schreiber

  • Keys

    Dorothea Raukes

  • Schlagzeug

    Hand Schweiss

Sonstiges

  • Label

    Sireena Records

  • Spieldauer

    44:47

  • Erscheinungsdatum

    18.08.2023

© Musikreviews.de