<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/600940715c1044d8a25d960a922b8567" width="1" height="1" alt=""> Rockende und bluesende Frontfrauen waren vor 25 Jahren tatsächlich noch keine alltägliche Erscheinung, auch wenn spätestens Beth Harts Erfolg dazu geführt hat, dass man heute die Augen verdreht, wenn jemand das Geschlecht als "Verkaufsargument" für Musik anführt. Für Susan Tedeschis Solodebüt von 1998, mit dem man sich nun nach 25 Jahren feierlicherweise erneut beschäftigen darf, sind solche Winkelzüge im Grunde auch gar nicht notwendig.
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Die Jubiläumsausgabe von „Just Won’t Burn“ bietet 16 statt der ursprünglichen elf Tracks, wobei es sich um je einen alternativen Take eines Albumlieds, zwei Outtakes und zwei Live-Aufnahmen der Tedeschi Trucks Band im New Yorker Beacon Theatre handelt. Diese Handvoll Stücke ist letztlich wirklich nur nettes Beiwerk, das man als Besitzer früherer Pressungen des Albums nicht unbedingt braucht - aber wie schneidet die Platte an sich in der Rückschau nach zweieinhalb Jahrzehnten ab?
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Kurzum: sehr gut. Tedeschi hat sich im Blues(rock)-Segment vom Start weg dadurch von anderen abgehoben, dass sie ihrer Musik eine kräftige Rock'n'Roll-Schlagseite gab. So wird "Just Won't Burn" von in puncto Gesangsvortrag und Gitarrenton positiv dreckigen Liedern mit straighten Achtel-Grooves geprägt; die teilweise mit dem Komponisten und Produzenten Tom Hambridge erarbeiteten Stücke beruhen auf recht schnörkellosen Arrangements, die an den richtigen Stellen um Bläser oder/und Piano-Begleitung erweitert wurden.
Bei den drei pfiffig eingestreuten Coverversionen handelt es sich um den originalgetreu interpretierten Shuffle 'Little By Little' (1960) von Junior Wells, der Anfang des Veröffentlichungsjahres von "Just Won't Burn" gestorben war, John Prines 'Angel from Montgomery' John Prines mit Gospel- und Country-Flair aufgehübschte Ballade 'Angel from Montgomery' (1971) und Ruth Browns '(Mama) He Treats Your Daughter Mean' (1982), das haargenau zu Tedeschis eigenem Stil passt.
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Retrospektiv weit vorne in der Gesamtdiskografie der Singer-Songwriterin: das kaum zweieinhalbminütige 'Found Someone New', die schummrigen R'n'B-Nummer 'You Need to Be With Me' und 'Just Won't Burn' sowie das "blauste" Stück von allen, 'Friar's Point' zum Abschluss. Reizvoll unter den Bonustracks ist das an sich zarte 'Looking For Answers' in einer rau polternden Version, während das stilistisch ähnliche 'Waste Of Time' offensichtlich (und merkwürdigerweise) nie vollständig ausgearbeitet wurde, um es mit auf die Platte zu packen. Sei's drum, für eine Grammy-Nominierung reichte es seinerzeit auch so…
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FAZIT: Susan Tedeschis "Just Won't Burn" hat nichts von seiner Unmittelbarkeit eingebüßt. Die Künstlerin braucht ihren mittlerweile platinveredelten Einstand ein Vierteljahrhundert später in keiner Weise herunterzuspielen oder zu relativieren. So geht zeitlose Musik, und wer einen modernen Bluesrock-Klassiker mit Betonung auf "Rock" kennenlernen möchte (falls noch nicht geschehen), erhält mit der aktuellen Geburtstagsausgabe der Platte eine ideale Gelegenheit.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.09.2023
Norm DeMoura, Jim Lamond
Susan Tedeschi, Bird Taylor, Buck Taylor, Tom Hambridge
Susan Tedeschi, Sean Costello, Tim Gearan, Adrienne Hayes
Susan Tedeschi, Tom West
Mike Levesque, Tom Hambridge
Tino Barker, Gordon Beadle (Saxofon), Ian Kennedy (Fiddle), Annie Raines (Mundharmonika)
Concord
69:00
22.09.2023