Im Raum zwischen Braunschweig und Würzburg scheinen dicke Wolken aufzuziehen, denn ASCIAN laden mit „Sing To Me, Sweet Void“ zum allgemeinen Weltverdruss. Der Startschuss „Follow the Serpent“ gräbt sich passenderweise fast in Funeral-Doom-Art durch den Gehörgang, ehe „The Odium Palace“, dank WHITE WARD-Saxofonist Dima Dudko, eine etwas entrückte, weltferne Atmosphäre verbreitet. Es wirkt beinahe so, als würde hier ein Art-Noir-Filmsoundtrack im lichtfressenden Gewand des Funeral Doom dargeboten. Trauer und Schmerz, aber auch eine gewisse Leichtigkeit, vielleicht sogar Freude ob einer Art Lebensmüdigkeit scheinen hier Hand in Hand zu gehen und graben sich in über zehn Minuten Musik ins Gefühlskleid des Hörers.
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Interessant und auf Albumlänge immer mehr fesselnd, fällt auch der kauzige Klargesang von Frontmann S. aus. Denn auch wenn der Mann eine intensive Grabesstimme erklingen lässt, so schmerzt die Musik doch vor allem in den Momenten, in denen dieses Säuseln ertönt, am meisten (z.B. in „The Golden Queen“). Nicht etwa, weil hier das Können fehlt, sondern weil der klare Gesang eine eigenwillige, sakral anmutende Spannung in die Stücke einwebt, die atmosphärisch ab und zu gar an alte Gruselklassiker wie Bram Stoker’s Dracula gemahnt.
„Cold Sun“ geht noch einen Schritt weiter und lässt schwarzmetallische Blasts und eisige Riffs zu, die dem dicken Nebelschleier, unter dem sich manch melancholischer Tastenton den Weg zum Hörer erkämpft, ein wenig Tempo bescheren. Dadurch ergibt sich eine bittersüße Stimmung, die letztendlich wenig Hoffnung zulässt und in „Threnody Spiral“ eine introspektiv-traurige Wendung erfährt.
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Nicht nur, dass das Grabesgrunzen noch eine Ecke finsterer tönt, auch der Kontrast zwischen Licht und Schatten wird verstärkt. Ertönt doch plötzlich die ätherische Stimme von Judith Ehrke, ihres Zeichens Fronterin der Symphonic Metaller UNSOULICITED. Der klangliche Unterbau dagegen bleibt schleppend und dunkel wie zuvor, sodass die schicksalhafte Atmosphäre erhalten bleibt.
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„Fra Lyset“ lässt als Instrumentalstück dann beinahe Hoffnung und Licht zu. Wirken die Melodien doch verträumt, könnten mit geschlossenen Augen und ein wenig Vorstellungskraft auch aus dem Umfeld von ALCEST und Co. stammen, wodurch sich der Abschluss „Deathwish“ umso markiger seinem Titel hingibt. Es wird nochmal schwer, zermürbend, ja, beinahe schmerzhaft wenn die gramschwangere Stimme auf Blastbeats und melancholische Gitarrenmelodien trifft. An dieser Stimmung kann auch der ruhige Break in der Mitte des Stücks nicht rütteln, soll er wohl auch gar nicht.
<br><center><iframe style="border: 0; width: 350px; height: 350px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2402776447/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/minimal=true/transparent=true/" seamless><a href="https://asciandoom.bandcamp.com/album/sing-to-me-sweet-void">Sing To Me, Sweet Void von Ascian</a></iframe></center></br>
FAZIT: ASCIANs „Sing To Me, Sweet Void“ ist ein emotional aufwühlendes wie zermürbendes Werk düsteren Doom Metals. Die Atmosphäre wirkt dunkel, kalt, hin und wieder regelrecht schmerzhaft. Diese Schmerzen werden zwar von manchem Moment klanglicher Schönheit kontrastiert, aber unterm Strich sind ASCIAN wohl keine allzu großen Freunde einer Lebemann-Mentalität. Zumindest ihre Musik betreffend. Im Umkehrschluss liefert die Band hier aber ein feines Klangwerk düsterer Hartmusik ab.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.10.2024
Eigenproduktion
64:38
28.09.2024