Wenn man nicht durch den türkischen Titel „Dogu Ekspresi“ bereits voreingenommen wäre, würde man die erste Nummer des neuen Albums von CAFÉ TÜRK sofort in der Neuen Deutschen Welle Ecke verorten. SPLIFF lässt grüßen. Und danach ein türkisches „I’m So Excited‘ mit Quietsche-Keyboard und Disco-Blubberbass. Wer hätte das erwartet?
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„Dogu Ekspresi“, das ist der Name des legendären (und auch auf dem Albumcover zu sehenden) Zuges, der in der türkischen Hauptstadt Ankara startet und nach „26 Stunden, 1001 Meilen, einer Nacht und einem Tag“ die östlichste Stadt Anatoliens, Kars an der türkisch-armenischen Grenze erreicht. CAFÉ TÜRK liefert nun den Soundtrack für diese Reise. Und diese geht wie die Zugfahrt einmal quer durch das Land der Musikstile. Jazzig-launchiges gefällig - wie wäre es mit „Çöl“? Oder doch etwas mehr traditionelle anatolische Folklore wie mit „Sarhos“?Oder darf es soulige James Bond Spionage-Musik sein („Çüs De“), karibisches Strandfeeling („Ayla“), ein melodiös-orientalisches Gitarren-Intrumentalstück („Leylim 84 Vs.24“) oder jazzrockiger Slapbass und Blasintrumente-Sounds („Yasar“) sein? Hier ist alles dabei und die vereinende musikalische Klammer sind die türkischen Texte, die der Musik noch einen zusätzlichen Hauch Exotik verleihen.
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Ach ja, wer ist eigentlich dieser oder dieses CAFÉ TÜRK? Der musikalische Kopf hinter diesem Projekt ist der Schaffhauser Sänger und Gitarrist Metin Demiral, der in den 80er-Jahren bereits einige Alben veröffentlichte, allerdings ohne den ganz großen Erfolg. Doch 2019 erhielt er die Nachricht einer Londoner Plattenfirma, die einen Song von CAFÉ TÜRK auf einer Kompilation veröffentlichen wollten. Gesagt getan und so wurde der Band 30 Jahre später neues Leben eingehaucht, das sich nun auch mit der neuen Scheibe „Dogu Ekspresi“ manifestiert.
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FAZIT: CAFÉ TÜRK legt mit „Dogu Ekspresi“ nach 30 Jahren eine beeindruckende musikalische Wiederauferstehung vor. Jenseits des Mainstreams nehmen uns die neun Songs des Albums mit auf eine musikalische Reise, die moderne westliche Sounds mit orientalischen Klängen zu einer abwechslungsreichen und erfrischend neuen Mischung vereint. Spannend, kurzweilig und absolut hörenswert!
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.12.2024
Bruno Niederhauser
Metin Demiral
Metin Demiral, Andi Bossert
Metin Demiral
Stefan Grob Bittlinger
Metin Demiral (Akkordeon, Perkussion), Dani Leu (Klarinette)
Sound Concept Records
31:00
15.12.2024