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Motörhead: The Löst Tapes

Stil: Hardrock / Heavy Metal

Cover: Motörhead: The Löst Tapes

<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/cc69b3f8e01e4ec0a4767effd0b1b78d" width="1" height="1" alt=""> Auch weiterhin gilt: Lemmy sells. Geradezu penibel scheinen MOTÖRHEAD ihre Konzerte aufgezeichnet haben, sei es zum Rekapitulieren und Bewerten ihrer eigenen Performance oder schlicht zum Sammeln und Archivieren, wozu der Bandkopf mit seinen Messie-Tendenzen bekanntermaßen neigte. Unter dem Banner "The Löst Tapes" wurden bislang vier dieser Konzertmitschnitte offiziell veröffentlicht (auch auf Vinyl), jetzt erscheinen sie gebündelt mit einem fünften, der ebenfalls gesondert auf Vinyl erscheint, in digitaler Form und auf CD.

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Die ersten drei dokumentieren die zweite Hälfte der 1990er in der bis zum Ende von MOTÖRHEAD beziehungsweise ihres Leaders geltenden Besetzung Lemmy-Dee-Campbell. "Volume 1: Live at Sala Aqualung, Madrid, 01.06.1995" bietet in zunächst schwankender Soundqualität (die gesamte Reihe klingt generell alles andere als berauschend, aber annehmbar) ein bandtypisches Best-of-Programm, wie es die Briten ja im Grunde immer spielen mussten, wobei das seinerzeit aktuelle Album "Sacrifice" natürlich ebenfalls abgedeckt war (Titelstück, 'Sex & Death', 'Dog Face Boy'). Der Frontmann wirkt in seinen Ansagen gutgelaunt, der Hawkwind-Ausreißer ´Silver Machine´ ist gegen Ende des Sets eine verhältnismäßige Überraschung, und das ärgerlicherweise ausgeblendete 'Overkill' beendet einen starken Gig aus einer Zeit, in der die Band metallisch wie nie aufspielte.

Den Temporekord dieses ersten Mitschnitts hält der zweite nicht, ganz, doch die Energie, die "Volume 2: Live at University of East Anglia, Norwich, 18.10.1998" vermittelt, ist ebenfalls hoch, und das Programm recht facettenreich, gerade im ersten Drittel mit unter anderem 'I'm so Bad (Baby I Don't Care)', dem Sleeper 'Take the Blame' und 'Nothing Up My Sleeve', nicht zu vergessen im weiteren Verlauf 'Shine' vom mancherorts unliebsamen "Another Perfect Day"-Geheimtipp. Klanglich geht's hier etwas differenzierter zu, bezüglich "Volume 3: Live at KB Hallen, Malmö, 17.11.2000" ist hingegen vor allem die Zusammenstellung der Songs interessant. Die Show aus der Zeit von "We Are Motörhead" bündelt dessen Titeltrack mit Klassiker-Standards, dem Ohrwurm 'Broken' von "Overnight Sensation" und dem auch in der Studioversion recht unnötigen 'God Save The Queen-Cover, die Performance ist für Band-Verhältnisse nur solide.

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Auf "Volume 4: Live at Sporthalle, Heilbronn, 29.12.1984" ist eines von MOTÖRHEADs traditionellen Weihnachts-/Neujahrskonzerte und obendrein eine reizvolle Besetzung verewigt: Zwei Gitarristen (Würzel und Phil Campbell) standen Lemmy definitiv gut, auch wenn er die Quartett-Version seiner Band selbst nicht schätzte. Tighter als in ihren späten Jahren war sie in den 1980ern definitiv nicht, doch dieser Gig strahlt einen unbekümmerten jugendlichen Biss aus, de insbesondere später hinzugestoßene Fans überraschen mag. In jedem Fall sind gerade im Laufe der Zeit aus dem Set verschwundene Nummern wie 'The Hammer' oder 'Steal Your Face' das Salz in dieser spannenden Suppe, die der Schreiber subjektiv als Highlight dieser Box bewertet… was nicht bedeutet, "Volume 5: Live at Download Festival, Donington, England, 13.06.2008" würde qualitativ abfallen. Bei renommierten Download Festival in England gab die Gruppe in ihrer Endphase kurz vor der Veröffentlichung von "Motörizer" ein für jene Jahre typisches Konzert, bei dem Lemmys schwächelnde Stimme erschwerend ins Gewicht fiel.

Dafür begeistert die Song-Auswahl regelrecht: ´Be My Baby´ von "Kiss Of Death" Album sowie 'In The Name Of Tragedy' und 'Killers' von "Inferno" zeigen, wie gut die letzten Studioalben waren, die Thin-Lizzy/Bob-Seger-Hommage 'Rosalie' sowie die letzten beiden Nummern mit dem ausgeschiedenen Würzel als Gast an der zweiten Gitarre. Man erlebte die alten Haudegen damals auch in schlechterer Verfassung, wenn man mal von ihrer meistens beispiellosen Eingespieltheit absieht. Alles in allem kommen wir auf fast 100 Songs (freilich mit vielen Überschneidungen), die eingefleischten Fans runtergehen sollten wie Öl. Anfänger (gibt's die, oder kennt nicht jede Oma MOTÖRHEAD?) nehmen vielleicht zuerst einen offiziellen Live-Release oder halt die unverwüstlichen Studioalben.

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FAZIT: "The Löst Tapes" weist einen gehobenen Bootleg-Charakter auf, ist aber vermutlich immer noch klanglicher Hochgenuss im Verhältnis zur tatsächlichen Anwesenheit im Publikum, denn MOTÖRHEAD waren live eigentlich zu allen Zeiten eine Zumutung für Menschen mit einem Mindestmaß an Gefühl für eine gewisse Soundästhetik. Wenn man das so ungeschönt sagt, heißt es im Umkehrschluss auch, dass dieses nerdige Set ein Muss für Die-Hards darstellt. Es gab in jüngerer Zeit zweifellos unwürdigere Ausschlachtungen der Marke Lemmy.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.02.2024

Tracklist

  1. Volume 1: Live at Sala Aqualung, Madrid, 1st June 1995
  2. 1. Ace of Spades
  3. 2. Sex and Death
  4. 3. Over Your Shoulder
  5. 4. I'm so Bad (Baby I Don't Care)
  6. 5. Metropolis
  7. 6. On Your Feet or On Your Knees
  8. 7. Liar
  9. 8. Stay Clean
  10. 9. Burner
  11. 10. Orgasmatron
  12. 11. Dog Face Boy
  13. 12. Born to Raise Hell
  14. 13. Nothing Up My Sleeve
  15. 14. Lost in the Ozone
  16. 15. The One to Sing the Blues
  17. 16. You Better Run
  18. 17. Sacrifice
  19. 18. Going to Brazil
  20. 19. Killed by Death
  21. 20. Silver Machine
  22. 21. Iron Fist
  23. 22. Overkill
  24. Volume 2: Live at University of East Anglia, Norwich, 18th October 1998
  25. 1. Bomber
  26. 2. No Class
  27. 3. I'm so Bad (Baby I Don't Care)
  28. 4. Over Your Shoulder
  29. 5. Civil War
  30. 6. Take the Blame
  31. 7. The Chase Is Better Than the Catch
  32. 8. Nothing Up My Sleeve
  33. 9. Born to Raise Hell
  34. 10. Shine
  35. 11. Love for Sale
  36. 12. Dead Men Tell No Tales
  37. 13. Sacrifice
  38. 14. Too Late Too Late
  39. 15. Orgasmatron
  40. 16. Stone Dead Forever
  41. 17. Going to Brazil
  42. 18. Killed by Death
  43. 19. Iron Fist
  44. 20. Ace of Spades
  45. 21. Overkill
  46. Volume 3: Live at KB Hallen, Malmö, 17th November 2000
  47. 1. We Are Motörhead
  48. 2. Bomber
  49. 3. No Class
  50. 4. I'm so Bad (Baby I Don't Care)
  51. 5. Over Your Shoulder
  52. 6. Civil War
  53. 7. Metropolis
  54. 8. Shoot You in the Back
  55. 9. God Save the Queen
  56. 10. Born to Raise Hell
  57. 11. Stay Out of Jail
  58. 12. Damage Case
  59. 13. Sacrifice
  60. 14. Orgasmatron
  61. 15. Lemmy Bass Solo
  62. 16. Going to Brazil
  63. 17. Broken
  64. 18. Iron Fist
  65. 19. Killed by Death
  66. 20. Ace of Spades
  67. 21. Overkill
  68. 22. We Are Motörhead
  69. Volume 4: Live at Sporthalle, Heilbronn, 29th December 1984
  70. 1. Iron Fist
  71. 2. Stay Clean
  72. 3. Heart of Stone
  73. 4. The Hammer
  74. 5. Metropolis
  75. 6. Shoot You in the Back
  76. 7. Jailbait
  77. 8. Killed by Death
  78. 9. Ace of Spades
  79. 10. Steal Your Face
  80. 11. Nothing Up My Sleeve
  81. 12. Road Crew Introduction - Adrian
  82. 13. (We Are) The Road Crew
  83. 14. Bite the Bullet
  84. 15. The Chase Is Better Than the Catch
  85. 16. No Class
  86. 17. Motörhead
  87. 18. Bomber
  88. 19. Overkill
  89. 20. Iron Fist
  90. 21. Stay Clean
  91. Volume 5: Live at Download Festival, Donington, England, June 13, 2008
  92. 1. Doctor Rock
  93. 2. Stay Clean
  94. 3. Be My Baby
  95. 4. Killers
  96. 5. Metropolis
  97. 6. Over the Top
  98. 7. One Night Stand
  99. 8. Rosalie
  100. 9. In the Name of Tragedy
  101. 10. Just 'Cos You Got the Power
  102. 11. Going to Brazil
  103. 12. Killed by Death
  104. 13. Ace of Spades
  105. 14. Overkill

Besetzung

  • Bass

    Lemmy Kilmister

  • Gesang

    Lemmy Kilmister

  • Gitarre

    Phil Campbell, Würzel

  • Schlagzeug

    Mikkey Dee, Pete Gill

Sonstiges

  • Label

    BMG / Warner

  • Spieldauer

    388:27

  • Erscheinungsdatum

    23.02.2024

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