<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/0be749df77f5414ca70ce1ab5dce8499" width="1" height="1" alt=""> Von MY DYING BRIDE darf man nach fast 35 Jahren keine musikalischen Neuerungen mehr zu erwarten. Die Band hatte eine ganz kurze experimentelle Phase, die sich auf einige frühe EP-Tracks und das 1998er Album "34.788%... Complete" beschränkte, ansonsten war Doom/Death in britischer Reinkultur angesagt - und so verhält es sich nun auch mit "A Mortal Binding", dem 14. Studioalbum (das Neoklassik-Experiment "Evinta" von 2011 nicht mitgezählt) des Sextetts aus West Yorkshire.
Als unerheblich erweist sich dabei die personelle Situation innerhalb der Band: Drummer Dan Mullins, der von 2007 bis 2012 Mitglied war, ist zurückgekehrt, während Neil Blanchett, der als Gitarrist 2019 hinzustieß und bisher nicht aktiv am Songwriting beteiligt war, mittlerweile fest integriert wurde. Letzten Endes stemmt ohnehin Riff-maschine Andrew Craighan - einziges verbliebenes Gründungsmitglied neben Sänger Aaron Stainthorpe - den Löwenanteil der Kompositionen.
Auch deshalb ist "A Mortal Binding" ein sehr klassisches MDB-Album, wobei die sieben teils überlangen Tracks etwas schwieriger zugänglich sind als jene des Vorgängers "The Ghost of Orion" (2020) und der wenige Monate danach erschienenen "Macabre Cabaret"-EP. Der Opener 'Her Dominion' ist paradoxerweise die sperrigste Nummer der Platte und steht mit ihrem wohl vorsätzlich stockenden musikalischen Flow allein für sich.
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'Thornwyck Hymn' ist hingegen als erste Single nur zu typisch geraten und zeigt die Gruppe in Bestform; das stark von Keyboard und Violine geprägte Stück lebt insbesondere von seinen Gesangs-Hooks, was im Grunde auch für 'The 2nd of Three Bells' und 'A Starving Heart' gilt, die auf ihre erzkonservative Art das tieftraurige Moment ausnutzen, das die Band beziehungsweise ihr Sänger beinahe in Perfektion beherrscht.
Lebhafter (relativ gesehen) wird es mit 'Unthroned Creed' und seinen verschachtelten Düster-Riffs. Der Track macht auch rhythmisch zahlreiche Wandlungen durch, wie um auf das über elf Minuten lange 'The Apocalyptist' vorzubereiten. Ein Geigen-Intro, jäh aggressiv aufbrausende Parts und mehrere getragene Instrumentalpassagen bei einer fulminanten Steigerung - mehr Prog geht by My Dying Bride nicht. Das "nur" neunminütige 'Crushed Embers' wirkt ähnlich konzipiert, entwickelt aber keine ebenbürtige Sogkraft.
FAZIT: "A Mortal Binding" ist ein solides MY DYING BRIDE-Album, dem bei aller üblichen Dramatik die großen Momente/Melodien fehlen. Ein Highlight für sich ist der fette, warme Gitarrensound, den die Band zum zweiten Mal mit dem Produzenten Mark Mynett (ehemals Kill II This, arbeitete auch schon mit unter anderem Paradise Lost) erarbeitet hat. In puncto Songwriting halten die Brite "nur" ihr gewohntes Niveau.
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Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.04.2024
Lena Abé
Aaron Stainthorpe
Andrew Craighan, Neil Blanchett
Shaun Macgowan
Dan Mullins
Shaun Macgowan (Violine)
Nuclear Blast / Believe
54:42
19.04.2024