<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c0b04b0611a64ff99f4c60ffeb79516f" width="1" height="1" alt=""> Die seit 2009 aktiven Dänen SOLBRUD waren nie eine herkömmliche Black-Metal-Combo - und sind es mit ihrer vierten LP umso weniger. Seit Anfang 2022 steht David Hernan (der weiterhin bei den 2020 gegründeten Aarhuser Death-Metallern Bound Hands aktiv ist) der Gruppe als Gitarrist/Sänger vor, womit er Gründungsmitglied Ole Luk ablöst, der sich nun auf Afsky konzentrieren möchte. Luk hat aber noch maßgeblich an "IIII" mitgearbeitet, einem Magnum Opus im Zeichen der vier Elemente.
Man denkt hinsichtlich der Anlage des Ganzen an den Studio-Part von Pink Floyds ebenfalls vierter LP "Ummagumma" (1969), wofür jedem Mitglied eine halbe Seite des Doppel-Vinyls zur freien Verfügung stand. Bei SOLBRUD komponierte hingegen jeder Musiker eine LP-Seite, und aufgenommen wurde selbstredent gemeinsam, wobei gleich vier Tracks mit Spielzeiten im zweistelligen Bereich aufwarten.
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'Hvile' beginnt zumindest seinem Titel entsprechend ("ruhen"), kippt aber nach rund vier Minuten in programmatischen Black Metal mit fiebrigem Schlagzeugspiel (nicht nur Blastbeats, auf die Toms achten!) und bombastischem Unterton um. Die Raserei wird von geradezu idyllischen Akustikgitarren-Segmenten und ausgebremsten Melodie-Parts unterbrochen, was sie umso intensiver macht. Nach fast 18 Minuten bleiben nur Rauschen und Donner…
'Når Solen Brydes Del II -Mod Afgrundens Flammehav' ("wenn die Sonne vergeht - auf dem Weg zum Flammenmeer des Abgrunds") ist hingegen nach einem kurzen Intro der Hauptpart einer vierteiligen Suite und im ersten Drittel ein nervös Flirren mit Gekreisch, das in einen Breakdown mit unterlegten unverzerrten Gitarren und schließlich flötenden Keyboards mündet (zweites Drittel), ehe SOLBRUD fürs letzte Drittel in den Anfangsmodus zurückkehren - eine interessante Studie über orchestrale Kompositioneformen im Metal-Kontext sozusagen. Das anschließende dritte Segment (das vierte ist ein Semi-Ambient-Outro) gleicht einem Gefühlswechselbad - einerseits qualvoll schleppend, andererseits auf der melodischen Ebene richtiggehend "schön".
'Ædelråd' kratzt und keift wiederum mit nahezu identischer Struktur über eine Viertelstunde lang im kontrollierten Blastbeat-Stechschritt, wobei der Mittelteil zart mit vordergründigem Bass pulsiert und von mehreren akustischen Momenten aufgebrochen wird - was SOLBRUD im 'Postludium' wiederaufgreifen. In 'En Ild Som Tusind Sole' ("ein Feuer wie tausend Sonnen") gibt es nur einen kurzen Augenblick der Einkehr, ansonsten ist die zehnminütige Nummer gemeinsam mit dem nachfolgenden 'Aske' das im Sinne des nordskandinavischen Melodic Black Metal traditionellste Stück des Albums.
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Bleiben noch 'Tåge' ("Nebel") und 'Sjæleskrig' ("Seelenschrei" - schon auf dem Livealbum performt). Erstes bewegt sich zunächst verträumt am Post-Black-Metal-Rand, schlägt aber gegen Ende in nuanciertes Geklirr um (die transparente Produktion schmeichelt der unwirklichen Stimmung, klingt aber zu keiner Zeit verwaschen). Zweiteres - und damit kommen SOLBRUD den eingangs erwähnten britischen Psych/Prog-Helden tatsächlich nahe - verbindet ein freischwebendes Lead - David Gilmour lässt quasi grüßen - und wenig mehr (erste vier Minuten) mit majestätischem Schreiten an der Schwelle zu romantischem Doom, der das anfängliche Gitarrenmotiv zu einem hingebungsvollen Ende führt.
FAZIT: Nach dem beeindruckenden Live-Doppelalbum "Levende I Brønshøj Vandtårn" (2021) - das letzte Studiowerk "Vemod" erschien bereits 2017 - zementieren SOLBRUD ihren Status als außergewöhnliche Black-Metal.Band weiter "IIII" ist ihr ehrgeizigstes, umfangreichstes und spannendstes Album bislang, eine stimmige Montage aus gängigen Genre-Stilmitteln und wagemutigen Songwriting-Kniffen mit langer Halbwertszeit und beispielloser Atmosphäre.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.01.2024
Tobias Hjorth Pedersen
David Hernan
Adrian Utzon Dietz, David Hernan
Troels Hjorth Pedersen
Vendetta
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02.02.2024