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SoundDiary: Four Word: Fairy Tales For Cyborgs

Stil: Progressive Rock

Cover: SoundDiary: Four Word: Fairy Tales For Cyborgs

Unternehmen wir doch einfach mal mit SOUNDDIARY aus progressiver Band-Rockmusik-Sicht eine Reise in die österreichische Hauptstadt Wien, aus konzeptioneller Sicht aber reisen wir in „Four Word“ mit den Cyborgs in eine Zukunft, in der sich die Menschheit in digitale und künstliche Wesen entwickelt hat, deren Gefühle und Vorstellungen von technischen Geräten gesteuert werden – und damit die schreckliche Dystopie, die ein GEORGE ORWELL in „1984“ aufgezeigt hat, längst zur noch schrecklicheren Realität geworden ist. Daher haben diese künstlich erscheinenden Cyborgs jegliche Verbindung zu der Zeit verloren, während der sie sich noch als Menschen von ihren Gefühlen und Bedürfnissen leiten ließen.
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Dass diese Reise sogar knapp 75 Minuten dauert und dabei – trotz der einen oder anderen Länge – niemals wirklich langweilig wird, ist bemerkenswert.
Das liegt vordergründig daran, dass SOUNDDIARY konsequent auf die Prog-Karte setzen, hierbei durchaus an die Werke eines NEAL MORSE oder SYLVAN erinnern, und dabei die elektronischen wie akustischen, härteren wie ruhigeren Momente sehr geschickt abstimmen und so immer wieder unterschiedliche Spannungen aufbauen. Auch wirkt in der Geschichte rund um Johnny, der verzweifelt versucht, seine Gefühle zu verstecken, und Nummer 4, dessen Erinnerungen gelöscht wurden, ein Erzähler mit, was natürlich die Dramatik des gesamten Albums erhöht.
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Schon der extrem finstere Beginn mit der „Ouverture“ gibt die Grundstimmung des gesamten Albums vor. Bei diesem Thema kein Wunder. Akustik und Electronic treten wie zu einem Duell an, während sich die musikalischen wie textlichen Dystopien immer mehr erheben und sogar ein wenig im Prog-Opera-Stil durch das komplette Album, welches zudem in die 3 Akte „Autognostics“, „Autognosis“ und „Autonomy“ unterteilt ist, ihre Linien ziehen, die in „Rejection“ ihren Höhepunkt finden, der gesanglich wie instrumental die Finsternis auf die Spitze treibt und übersetzt etwa so im Refrain klingt: „Es gibt keinen Weg zurück, ich werde abgewiesen. / Meine Aktualisierungen werden vernachlässigt. / Sie sind nur hinter einer Nachricht her. / Ich muss einen Weg durch die Passage finden...“

Zwar verbreitete zuvor „Identity Part I“ noch etwas Optimismus, setzt auf die höheren Töne und Stimmen sowie harmonische Satzgesänge und flirrende Keyboards. Doch diese hoffnungsvollen Sounds können den düsteren Klängen nur selten Paroli bieten.
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So ist dem Protagonisten bei seiner Suche nach der eigenen Identität nicht viel Glück beschieden – so weit er seine Kreise durch den progressive Sumpf auch zieht, sodass er am Ende in dem wirklich verzweifelt klingenden Instrumental „Forward“ zu der Erkenntnis gelangt, in seinem Geist nach den Erinnerungen zu suchen, die ihm genommen wurden.
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FAZIT: Die österreichische Progressive-Rock-Band SOUNDDIARY begibt sich auf ihrem aktuellen Konzept-Album „FourWord - Fairy Tales for Cyborgs“, das ähnlich wie ein Theater-Stück in drei Akte aufgeteilt ist, mitten in die Zukunft, in der sich die Menschheit zu einer Spezies aus digitalen und künstlichen Wesen verwandelt hat. Alle Gefühle und humanen Sinne werden von technischen Geräten gesteuert, wobei die so entstandenen Cyborgs jegliche Verbindung zur früheren menschlichen Welt verloren. Eine düstere Geschichte mit entsprechend düsterem Progressive Rock, der alle Retro- bis Sympho- und Melodic-Prog-Freunde sicher in ihrer 75-minütigen Schönheit wie Dunkelheit zu begeistern versteht, selbst wenn die eine oder andere Länge nicht ausbleibt. Insgesamt eine spannende Sache, bei der auch das fette Klangbild zu überzeugen weiß.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.12.2024

Tracklist

  1. I: AUTOGNOSTICS
  2. Ouverture
  3. Silhouettes
  4. SOS – Standby (Me)
  5. Rejejtion
  6. II: AUTOGNOSIS
  7. Identity Part I
  8. Memories
  9. Identity Part II
  10. Blame
  11. III: AUTONOMY
  12. Journey To O'One
  13. Confrontation
  14. Someone – The Release
  15. Forward

Besetzung

  • Bass

    Merlin Hochmeier

  • Gesang

    Hannes Pichlmann, Stefan Pichlmann

  • Gitarre

    Hannes Pichlmann

  • Keys

    Stefan Pichlmann

  • Schlagzeug

    Clemens Langbauer

  • Sonstiges

    Hannes Pichlmann (Flöte)

Sonstiges

  • Label

    Eigenpressung/Just For Kicks

  • Spieldauer

    68:07

  • Erscheinungsdatum

    29.11.2024

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