Dass Hardcore (in diesem Fall mit dem Präfix „Post-“) nicht immer straight auf die Zwölf hauen muss, zeigen SWEETHEART aus Ohio auf ihrer Ein-Track-LP „The Process Of Making Us Well“. Mit über zwölf Minuten Spielzeit ist der Song nicht nur das bisher längste jemals komponierte Stück der Amis, sondern lehnt sich für Genre-Verhältnisse auch weit aus dem Fenster.
Die Musik klingt melancholisch, tendiert immer wieder in Richtung ruhiger Zwischensequenzen und melodischer Gitarrenmomente, die für das Hardcore-Genre nicht wirklich gewöhnlich klingen. Einzig das Geschrei gemahnt an die völlige Verausgabung, die emotionale Katharsis, die ein Grundbaustein des Genres ist.
Dass die Musiker diesen Song als eine Art klangliches Gemälde verstehen, macht insofern Sinn, als dass die langsam ansteigende Atmosphäre, genauso wie der gemächliche Aufbau vom sanft-melodischen Start, bis zum krachenden Höhepunkt des Stücks viel mehr nach zwanghafter Katharsis klingen, als nach einem bewusst komponierten Musikstück.
Sicher ist das Gehörte logisch und nachvollziehbar in eine gewisse Struktur eingebunden. Aber das Gefühl von innerem Aufruhr, Schmerz und dem daraus resultierenden Wunsch nach Heilung schwingt zu jeder Zeit auf eine diffuse Art und Weise in der Musik mit.
Fast wirkt es, als würde beständig an einer kleinen Wunde gekratzt, die kurz vorm Abheilen ist, aber immer noch juckt. Die Kunst besteht darin, dem Juckreiz zu widerstehen und sich auf den Prozess der Heilung einzulassen, ihn geschehen zu lassen. Gemessen daran, dass die Gesänge zu jeder Zeit Schmerz, Verzweiflung und Wut transportieren, ist dieser Prozess bzw. diese Erkenntnis wenigstens mit dieser EP noch nicht abgeschlossen.
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FAZIT: Ob „The Process Of Making Us Well“ der vielleicht längste, bisher komponierte Song im (Post-)Hardcore-Genre ist, ist für die Qualität dieser EP unerheblich. Denn SWEETHEART vertonen den titelgebenden Prozess der Heilung durchaus spannend, wobei die Musik vor allem ob ihrer Dynamik gefällt. Hardcore muss also nicht immer zwangsläufig mit der Tür ins Haus fallen, er kann auch bedacht anklopfen und sie erst nach einigen Minuten zu Kleinholz verarbeiten.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.03.2024
Greg Lofaro
Ahmed Abdullahi Gallab, Bryan Parker, Greg Lofaro, Michael Howard
Bryan Parker, Michael Howard
Ahmed Abdullahi Gallab
Expert Work Records
12:12
02.02.2024