Ist das bei diesem Albumtitel „2025“ schon ein Blick in die Zukunft, obwohl THE MULTICOLOURED SHADES doch mit ihrer Musik in allerhöchsten Tönen der psychedelischen Rock-Vergangenheit huldigen?
Schön wär's eigentlich – doch stehen die Zeichen der Gegenwart nicht wirklich gut, um diese so beeindruckende, hand- wie ideengemachte und komplexe Musik mit deutlichem Vergangenheitsbezug bei all dem digitalen DL- und Stream-Massenmüll eine gute und erfolgreiche Zukunft vorherzusagen.
Gezwungenermaßen macht sich allerdings bei dieser deutschen Band ein Blick in die Vergangenheit erforderlich, der weit bis ins Gründungsjahr 1984 und bis zu deren (erstem) Auflösungsjahr 1990 zurückgeht. Damals noch mit ihrem schwer beeindruckenden Sänger Peter Barany, der 2002 tragisch verstarb, unterwegs, legten die Jungs aus Marl insgesamt vier stark psychedelisch wie vom New Wave geprägte Alben vor, denen sie dann 2016 noch ein Gedenk-Album mit vier vor Schutt gegangenen Aufnahmen unter dem Titel <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2016/Multicoloured-Shades/The-Lost-Tapes/" target="_blank" rel="nofollow">„The Lost Tapes“</a> folgen ließen.
Knapp 30 Jahre nach ihrer Auflösung beschlossen THE MULTICOLOURED SHADES dann, sich wieder mit neuem Sänger (Christian Müller), der als ehemaliger Fan der Band diese Wiedergeburt maßgeblich vorantrieb, sowie neuem Schlagzeuger (Thorsten 'Babblz' Stratmann) zusammenzutun und ihr retrorockiges Glück erneut zu versuchen, in dessen Ergebnis nun „2025“ erscheint.
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Alle 10 Songs sind nagelneu (und keine älteren Ausgrabungen wie zuvor) – und klingen besonders dank der ausgiebigen Orgel-Einsätze und des gelungenen Gesangs – verdammt 'alt' nach den DOORS oder auch IRON BUTTERFLY und ein wenig dem Ziggy-Stardust-BOWIE, wobei sich speziell der mit 6:18 Minuten längste Song „Wave“ ganz besonders vorbildlich hervortut. Da schwelgt man doch glattweg als Storm-Reiter auf dieser Welle des retro-romantischen DOORS-Glücks: „Riding the wave in the water of confusion / Riding the wave in the water of dreams...“
Hier wird der Vergangenheit wieder ein altbekanntes musikalisches Gesicht verliehen, das so einige Falten bekommen hat und zum Glück nicht mit digitaler Fingerfertigkeit künstlich aufgehübscht wurde. Und auch für den Albumtitel „2025“ hat das alle Türen öffnende Retro-Quintett eine klare Erklärung: „Wir sind immer noch Kinder, die einfach miteinander spielen wollen. Etwas anderes war es eigentlich nie.“
Dann wollen wir sie mal auf ihren Spielplatz begleiten und hoffen, dass bei der einen oder anderen knackigen Note nicht die klapprigen Spielgeräte in sich zusammenbrechen, weil die knallbunten Digitalinskis auch diese schwarz gehaltene (Man betrachte nur das Digipak samt 12-seitigem Booklet mit allen Texten!) und in der Finsternis wildernde Musik mit ihrem künstlichen Neon-Licht zerstören, weil sie glauben, so sähen die Zeichen der Zeit aus und klängen die Noten der Gegenwart. Zum Glück haben THE MULTICOLOURED SHADES mit diesem Album schonmal die Zukunft für sich reserviert. Eine Zukunft, die ihr Leben auf den guten alten Musiktraditionen aufbaut...
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FAZIT: Einen rosigen Blick in die aus musikalischer Sicht nicht wirklich rosig erscheinende Musik-Zukunft wagen THE MULTICOLOURED SHADES mit ihrem tiefschwarzen Album „2025“. Hier dürfen alle Freunde psychedelisch angehauchten Seventies-Rocks beruhigt aufatmen, wenn sich ihnen die DOORS mit handgemachten Klinkendruck öffnen statt mit einem Klick durch die Windows ihre digitalen Parallelwelten auf einen einstreamen lassen. Kein Wunder also, dass ein Song wie „Lost“ den medialen Irrsinn unserer Gegenwart beschreibt, in dem wir uns alle im multimedialen Overload-Rausch selbst verlieren: „What is real and what is fake / In this place of fallen angels / Broken heroes and new chains / We have to pull the break / Before it is too late / We are lost.“ Hoffen wir einfach, dass es nicht all zu bald so weit kommt... Und „2025“ macht durchaus Hoffnung.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.06.2024
Michael Döring
Christian Müller
Heinz Werner Maleike
Detlev Bizer
Thorsten Stratmann
Sireena Records
46:32
12.04.2024