Wo andere auf Traditionen pochen, ohne das dafür nötige Feuer leidenschaftlich zu füttern, da ist auf DEPRESSION Verlass. Den Beweis treten die Groovy-Death-Grind-Veteranen im Spätherbst 2025 mit einem Album an, dessen Titel kaum treffender gewählt und dessen Inhalt kaum traditionaler donnern, rumpeln und fetzen könnte: "Das Monument" feiert den ureigenen Sound mit 20 Songs in rund 50 Minuten, die einer brutalen Breitseite gleichkommen.
Doch DEPRESSION wären eben nicht DEPRESSION, wenn sie nicht auch die Tradition vergleichsweise besinnlicher Klänge fortsetzen würden, sei es in Gestalt des auf dem Klavier fußenden Intros "Among Ravens", der Bathory huldigenden Hymne "Depressionen III" oder dem von Nico Steckelberg eingesprochenen Stück Titelstück, das zahlreiche Tonträger-Titel der nunmehr bereits 35 Jahre – heavy birthday! – zählenden Geschichte der Sauerländer Krachkapelle aufgreift. Das alles klingt vertraut, doch keineswegs altbacken, denn es sind Kontrastpunkte in einem dicken Bündel von Songs, die mit unterschiedlichem Tempo vor allem eines machen, nämlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist, plattwalzen.
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35 Jahre Expertise in "Knüppel aus dem Sack" gehen selbst am grobsten Knüppel nicht spurlos vorbei, und auch wenn sie es vielleicht nicht gerne lesen: DEPRESSION sind mittlerweile Profis darin, ultra-fett groovende, Gedärme fetzende Songs zwischen Geballer und Midtempo-Walze (ja, ich wiederhole mich) zu arrangieren, deren Fokus nicht auf Verschnaufpausen liegt, auch wenn eine Nummer wie "Bloodsuckers" zunächst nahezu gemütlich swingt – auf depressive Weise, versteht sich. Für das epische Gitarrensolo in jenem Song zeichnet mit Markus "Skaldir" Skroch der Produzent verantwortlich, der den DEPRESSION-Sound seit vielen Jahren roh und böse zur Geltung bringt, und als Gastsänger ist Dany von Dead am Start, der auch die Hit-Single "Seelenstille" mit seinem Organ verschleimt.
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Den monumentalen Rest stemmen Kai, Marc und Ron in unverkennbarer Manier, und es darf angemerkt werden, dass die Herrschaften mit rund 50 Lenzen auf ihren Buckeln bemerkenswert munter zu Werke gehen. Beim dreckigen Hellhammer-Cover "Messiah" schimmert Kais Faible für Punk- und Garage Rock durch, und solche Nuancen bringen Abwechslung in den grundsätzlich massiven Sound.
"Das Monument" wird auf CD 1 um die wiederbelebte EP "Die Zeiten ändern sich" ergänzt, und auf der 2. CD werden 35 Songs kredenzt, darunter etliche EPs, rare und sogar unveröffentlichte Aufnahmen wie z.B. das Bathory-Cover "Vinterblot". Dass diese Zusammenstellung mit einer Live-Aufnahme von "Putting The Last Nail" beschlossen wird, spricht für den humorvollen Teufel im Detail, der das Werk von DEPRESSION durchzieht. Die Doppel-CD erscheint mit einem Cover von Juanjo Castellano Rosado sowie einem 20-seitigem Booklet – value for money ist im Underground einmal mehr kein leeres Versprechen.
FAZIT: Eine wahrlich monumentale Vollbedienung für alte und neue DEPRESSION-Fans stellt die Doppel-CD "Das Monument" dar, die zum 35. Geburtstag der Band mit insgesamt 55 (!) Titeln aufwartet. Mehr Groovy Death Grind Madness (auf zwei Tonträgern) geht nicht.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.11.2025
Marc
Ron, Marc, Kai
Kai
Kai
Kai
Defying Danger Records
50:30 / 64:20
28.11.2025