Die gute halbe Stunde Musik, die der Niederländer JOZEF VAN WISSEM zusammen mit dem amerikanischen Exzentriker JIM JARMUSCH präsentiert, ist getränkt von klanglichem Minimalismus, ohne wirklich auf das Wesentliche reduziert zu sein.
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Zwischen klassischen Musikelementen und Folk-Düsternis umweht „The Day The Angels Cried“ immer mal ein unromantisches Western-Flair, das u.a. in manch schrägen Blech-Sounds von Stücken wie „The First Language“ zum Tragen kommt.
Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, was denn diese sog. erste Sprache ist. Denn die Musik erschafft Bilder von grimmigen Revolverhelden und einsamen Steppenwölfen vor dem inneren Auge, was der im Titel suggerierten, ersten Sprache einen offensiven Ausdruck von Gewalt verleiht.
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Einer der größten Kniffe dieses Albums ist, dass Bilder dieser Art aber niemals in offensiv drängende, geschweige denn laute Musik verpackt werden.
Die klassischen Kompositionen des Duos zitieren bisweilen dunklen Folk oder schielen hier und da in Richtung Avantgarde-Soundscapes („There Is No Answer“), aber jedwede Aggression bleibt außen vor.
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Stattdessen transportieren die Stücke ein diffuses Unbehagen, eine konstante Anspannung, die jederzeit eine gewisse Angst vor dem Unbekannten suggeriert. Gleichzeitig lässt ein Stück wie „To Those Who Mourn“ aber auch lichte Momente zu und verbindet entspannte Saitenklänge mit einer Stimmung zwischen Andacht und Meditation.
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Die wenigen Stimmeinsätze im Finale „Concerning The Law Of Angels“ oder auch „There Is No Answer“ erwecken derweil weniger den Eindruck von Gesang, sondern schweben eher als Stimmfetzen an den Hörer heran und untermalen die jeweilige Stimmung mit geisterhaften Nuancen.
Vor allem im Albumcloser herrscht meditatives rezitieren vor, oder aber es wird mehrstimmig geraunt. Womit JOZEF VAN WISSEM & JIM JARMUSCH eher erzählerisch unterwegs sind, als einer klassischen Form von Gesang zu folgen.
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FAZIT: JOZEF VAN WISSEM & JIM JARMUSCH erschaffen mit „The Day The Angels Cried“ eine minimalistisch instrumentierte Folk-Düsternis, die dennoch gewaltige Bilder vor dem inneren Auge des Hörers heraufbeschwört. Vom Western-Klischee zu depressiver Romantik ist es in diesem Falle nur ein kleiner Schritt, womit der Albumtitel keineswegs fehl am Platz ist.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.12.2025
Jozef Van Wissem, Jim Jarmusch
Jozef Van Wissem, Jim Jarmusch
Jozef Van Wissem (Laute, Sounds), Jim Jarmusch (Sounds)
Incunabulum
33:16
06.06.2025