Vier Jahre sind seit der Veröffentlichung des trefflichen Vorgängers „Hungry Heart“ vergangen. Jetzt meldet sich Multiinstrumentalist Phillip Nespital aka SMALLTAPE mit „Tangram“ zurück. Der Titel bezieht sich auf das chinesische Legespiel, bei dem man aus simplen geometrischen Grundformen komplexe Konstrukte erschafft. TANGERINE DREAMs Namensvetter aus dem Jahr 1980 ist nicht involviert.
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„Tangram“ startet mit wuchtigen, akzentuierten Attacken. Gleich zu Beginn stellen SMALLTAPE klar, dass Pausen, Breaks ebenso wichtig sind wie der Fluss der Musik. Das hat weniger mit Metal zu tun als mit den klaustrophobischen Epen eines (moderaten) Scott Walker.
Philipp Nespital in seiner SMALLTAPE-Inkarnation schlägt tatsächlich eine Brücke von Walkers düsteren, surrealen Alptraumsinfonien zum verspielten, elaborierten TEARS FOR FEARS Art-Pop. Ohne explizite BEATLES-Anleihen. Stattdessen gibt es kleine GENESIS-Verweise („Goodbye“, nach gut vier Minuten mit „Dancing With The Moonlit Knight“-Anleihen ), Ausflüge Richtung Jazz - keine Hektik, sondern verspielt und atmosphärisch. Das betont die Intimität des Albums, dessen Themen sich um Kommunikation, beziehungsweise deren Scheitern, Sehnsucht (nach Zweisamkeit und Zusammenhalt), Verlorenheit und dem Verlassen werden, drehen.
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Instrumental webt Nespital mit seinen Tasteninstrumenten einen abwechslungsreichen und filigranen Klangteppich, der durch effiziente Rhythmik untermauert wird, während Omri Abramov wieder am Saxophon sowie Flavio Di Giusti und Philipp Nespital selbst an den Gitarren für mehr als bloße Verzierungen sorgen. Für „Second Chance“ konnte Bruce Soord für ein Gitarrensolo gewonnen werden. Orchestral darf es zwischendurch mit Cello und Violine auch werden, und dann sind die BEATLES doch nah. Oder das ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA? Egal. Berauschend ist es so oder so.
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FAZIT: „Tangram“ ist ein betörend schönes Album, dass sich am Rande der Dunkelheit entlanghangelt, voller Brüche und Momente des Innehaltens, doch stimmig vom Anfang bis zum Ende. Der krachige Beginn setzt ein Ausrufezeichen als Einleitung zu einem stimmungsvollen, mit melodischen Höhepunkten getränkten Werk. SMALLTAPEs neues Album ist mit das Beste, was der Progressive Rock und sein erweitertes Umfeld in diesem Jahr zu bieten haben.
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Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.11.2025
Alexandra Praet, Leonhard Eisenach, Valgeir Daði Einarsson
Philipp Nespital
Flavio De Giusti, Bruce Soord, Philipp Nespital
Philipp Nespital
Philipp Nespital
Omri Abramov (Soprano Saxophone, Tenor Saxophone), Mark Kagan (Violins), Anton Peisakhov (Cello)
Midjune Records
50:45
14.11.2025