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Allerleirauh: Ausgabe 6

Stil: unzeitgemäß

Cover: Allerleirauh: Ausgabe 6

"Ich denke, Mut bedeutet, an seinen künstlerischen und anderen Prinzipien festzuhalten, auch wenn die Welt sich scheinbar in eine andere Richtung dreht", erklärt der englische Autor Andy Stanton im Interview mit dem ALLERLEIRAUH-Magazin, und skizziert damit eine Leitlinie der jährlich zur Wintersonnenwende erscheinenden, scheinbar aus der Zeit gefallenen Publikation.

Herausgeber Andreas Walther hat den fantastisch anarchisch schreibenden Briten u.a. zu seiner Mr.-Gum-Buchreihe befragt, und dieser hat einiges zu erzählen. Auch der estnische Autor Andrus Kivirãhk kommt zu Wort und beschreibt die Folklore und Märchen seiner Heimat als besonderen Schatz, den zu nutzen er sich "glücklich schätzen kann".
Matthew Boradley from englischen Folk-Projekt Greet outet sich als melancholischer Träumer, wenn er zu Protokoll gibt, dass er es liebt, "Felsen, Bäume und Flüsse zu betrachten und darüber nachzudenken, wie alt sie sind, welcher Weg sie dorthin geführt hat, wo sie heute sind, wie notwendig und auch wie widerstandsfähig sie sind." Ähnliche Themen von Folk-Musik und Black Metal erkennt der ehemalige Schlagzeuger von Dawn Ray’d einige in "Natur, Magie, Verlust, Krieg, Protest. (…) Beide [Genres] sind aufgrund ihrer Grenzenlosigkeit sehr fantasievoll und magisch, wenn auch nicht ohne Probleme.“

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Den "alten Death-Metal-Geist" möchte das Duo Infernal Presence beschwören und gibt zu Protokoll, dafür aus der "finsteren Ursuppe" zu schöpfen, an der sich vermutlich auch die norwegischen Jungspunde von Abhorration laben, die Andreas in der Hoffnung präsentiert, dass seine Leserschaft einen "ähnlich seltsamen Musikgeschmack" hat – höre ich da etwa Rayk vom Krachmanifest zustimmend grunzen…?!

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Rebecca Holm von der schwedischen Band Övervåld belässt es bei einem kurzen Plausch, in dem sie erklärt, wie wichtig ihr die Songtexte sind und warum sie gerne in ihrer Muttersprache grollt. Die hier sechsseitige Story würde in anderen Magazinen locker auf eine Seite passen.

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Im Kontrast dazu kommt Frank Allain, Frontmann der englischen Black-Metal-Band Fen, gar nicht mehr aus dem Plaudern heraus, und somit bildet das Interview mit ihm einen Höhepunkt im sechsten ALLERLEIRAUH, der manch unangenehmen Einblick in die Gedankenwelt des Musikers bereithält: "Wut auf äußere Umstände zu richten, ist selbstverständlich – Gesellschaft, Religion, Kommerz, viele Aspekte davon sind abstoßend, entsetzlich und regen zur Verzweiflung an. Doch wir existieren inmitten dieser Verhältnisse, gefangen wie Fliegen im Bernstein. Ich tippe diese Antwort auf einer Tastatur, die vermutlich von Kindersklaven am anderen Ende der Welt zusammengezimmert wurde, um die ohnehin schon grotesk Reichen noch reicher zu machen – wo bleibt da die Ehre?" Interviews mit solchem Tiefgang im Metal-Underground gelingen nur wenigen, und da Ulf Imwiehe im Deaf Forever für eine Fen-Story wohl kaum mehr als drei Seiten eingeräumt würden (eher weniger), lohnt der Erwerb des "Magazin(s) für Entdeckungen abseits der Wege" zweifelsohne für jeden Fan von Fen (sorry, ich konnte nicht anders) und für romantisch veranlagte Träumerle, welche die Hoffnung auf ein Fortbestehen und Weiterweben der Mythen und Märchen noch nicht aufgegeben haben.

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So erzählt z.B. auch die Modemacherin Sarah Gwiszcz von ihrer Liebe zu den "dunklen Seiten und Mythen im Spreewald", welche die von ihr entworfene Kleidung inspirieren, die sie unter dem Namen Wurlawy – eine Bezeichnung für die "grauen Frauengestalten, die aus dem Wald kamen" – produzieren lässt.
Einen ganz eigenen Kontrastpunkt in der facettenreichen Ausgabe im Buch-Format mit knapp 160 Seiten setzt der Autor Mikis Wesensbitter, dessen Geschichten seine – eiserne – Liebe zum Fußball, seine Jugend in der DDR und seine Erfahrungen als Alltagshelfer spiegeln, und dessen Definition von Glück eine lesenswerte ist.

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FAZIT: Die "Nachrichten aus dem unsichtbaren Königreich" widersetzen sich auch in der sechsten Ausgabe des liebevoll hinterwäldlerisch gestalteten ALLERLEIRAUH-Magazins dem zunehmend aggressiven Zeitgeist mit kreativer Substanz und vielen Gefühlen zwischen Humor und Wut – sowie einer Riesenportion Melancholie. In dieser sehr persönlichen Kombination einzigartig.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.03.2026

Tracklist

  1. Andy Stanton
  2. Voodoo Jürgens
  3. Abhorration
  4. Mikis Wesensbitter
  5. Kathryn Danielle
  6. Elisabeth Hartmann
  7. Pyrenäen-Desmane
  8. Lux Interna
  9. Clavv
  10. Andrus Kivirähk
  11. Fen
  12. Infernal Presence
  13. Jörgen I. Eriksson
  14. Övervåld
  15. Karl Schmoll von Eisenwerth
  16. Metulczki
  17. Greet
  18. Wurlawy

Besetzung

  • Keys

    Andreas Walther

Sonstiges

  • Label

    Eigenverlag

  • Spieldauer

    156 Seiten

  • Erscheinungsdatum

    21.12.2025

© Musikreviews.de